von Inka Grabowsky, 04.06.2019

Miteinander im Mittsommer

Miteinander im Mittsommer
Sie stehen hinter dem Mitsommerfest: V.l.n.r.: (hintere Reihe): Sandra Hubli (Markt), Eliane Stucki (Programm), Werner Spiri (Sicherheit), Roman Scherrer (Gastro), Sandro Erné (Eingemeindung), Annina Hahn (Grafik), Bettina Kunz (Kommunikation, Vorsitz) V.l.n.r.: (vordere Reihe): Emanuel Schwarz (Finanzen), Damiano Casella (Gesamtgestaltung), Rico Pengler (Gesamtgestaltung, Stv. Vorsitz), Sonja Vock (Marketing), Martina Dumelin (Geschäftsstellenleiterin), Daniel Weishaupt (Infrastruktur und Entsorgung). Auf dem Foto fehlen: Corina Haussener und Michael Rohner (Vereine und Familienaktivitäten). | © Veranstalter

Frauenfeld feiert vom 14. bis 16. Juni seine Stadtvereinigung: 1919 wuchs die Gemeinde fast auf das Doppelte an, weil die Vororte sich mit der Vorstadt zusammenschlossen.

Frauenfeld gibt es mindestens seit dem 13. Jahrhundert. Aber erst vor hundert Jahren nahm der Ort seine ungefähre heutige Form an: Die Ortsgemeinden Herten, Horgenbach, Huben, Kurzdorf und Langdorf schlossen sich mit Frauenfeld zur Einheitsgemeinde mit damals stolzen 9000 Einwohnern zusammen – in der Hoffnung, bei der Verwaltung Geld zu sparen, und weil die Infrastruktur ohnehin schon zusammengewachsen war. Das ist heute das Anlass für eine grosses Stadtfest, das Frauenfelderinnen und Frauenfelder für ihre Mitbürger ausrichten. Der Name „Mitsommerfest“ spielt mit dem Klischee des fröhlichen ungezwungenen Feierns in den langen Sommernächten in Skandinavien, doch eigentlich haben die Organisatoren den Namen gewählt, damit alle mitmachen und miteinander feiern. So wurde aus dem skandinavischen Mittsommerfest das Frauenfelder Mitsommerfest.

Ein Rahmen für viele Aktivitäten

Die Stadt hat ein Budget von 100.000 Franken zur Verfügung gestellt und eine professionelle Geschäftsführerin eingesetzt, die gemeinsam mit dem 14-köpfigen ehrenamtlichen Organisationskomitee ein Gerüst für die Feier geplant hat. Es gibt Konzerte, Tanzaufführungen, Lesungen, eine Hiphop Party unter freiem Himmel und einen kleinen Lunapark mit Riesenrad, Schiessbude und Karussell. Zentraler Bestandteil aber ist eine lange Tafel unter den Bäumen auf der Promenade, an der die Besucher gemeinsam geniessen sollen, was sie zuvor an den vielen Marktständen gekauft haben. Vereine der Stadt bieten dort Essen und Trinken an und zeigen gleichzeitig der Bevölkerung, wie vielfältig das Freizeitangebot in Frauenfeld ist. „Die Resonanz bei unseren Planungstreffen war riesig“, erzählt Bettina Kunz, die Vorsitzende des OK. „Der Raum ist aus allen Nähten geplatzt.“ 66 Vereine beteiligen sich am Fest. Die acht Quartiervereine Frauenfelds treten für einmal gemeinsam auf und schenken unter anderem das „Stadtstolz“-Bier aus.

„Wir haben versucht, auch optisch ein schönes Fest zu schaffen“, sagt Bettina Kunz. Das merkt man auch im Kleinen: Der Verein „Offenes Gärtnern in Frauenfeld“ hat beispielsweise die Verantwortung für die Tischdeko übernommen. Zauberhaft könnte die Atmosphäre durch künstlerische Interventionen werden. Die FilmfreundInnen Frauenfeld werden an mehreren Orten auf dem Festgelände durch Lichtprojektionen „Mondbäume“ schaffen. Und im botanischen Garten kreiert die Bildschule Frauenfeld Vögel für die Bäume. 

Ist auch dabei. Das Comic Percussion Ensemble ist am Samstag, 15. Juni, 18 Uhr, auf der Konviktbühne zu sehen. Bild: Veranstalter 

Grosse und kleine Shows für jeden Geschmack

Auf dem sogenannten Gauklerplatz präsentieren sich jeweils in halbstündigen Auftritten Kleinkünstler aller Couleur, von der Erzählkünstlerin Snezana Serafimoska über das Humorduo Strupler & Stäheli, das Improtheater Improgress bis zum Alphornbläser-Duo Samuel Kunz.   Auf der Konvikt-Bühne bläst einmal laut die Guggenmusik Rungglä-Süüder, um dann von den leisen Tönen von Mattermania abgelöst zu werden. Hier wird das Fest Freitag um 17.45 Uhr offiziell eröffnet und der Festgottesdienst am Sonntag morgen gefeiert.

Auf der Parkbühne im Botanischen Garten schliesslich kann man von der Schweiz in die Welt reisen: Thaitanz trifft auf Jodel und die Aufführungen des kurdischen Vereins. Am Freitagabend tritt hier der Kabarettist Christoph Simon mit seinem Programm „Zweite Chance“ auf.

Die Kantonsbiblitothek präsentiert Christoph Simon am Freitag, 14. Juni um 19 Uhr auf der Parkbühne. Bild: Veranstalter

Kein Kommerz

Ein Geschäft soll das Fest für niemanden werden: „Wir erheben geringe Standgebühren, die Konzerte sind gratis und mit Hutkollekte“, erklärt Bettina Kunz. Wem das Essen an den Ständen zu teuer ist, der darf picknicken. Jeder soll mitmachen können. Alles soll erschwinglich bleiben. „Das gehört zu den Werten, die wir in der Planung festgelegt haben.“  Einige Besucher können vielleicht sogar mitfeiern, ohne einen einzigen Franken auszugeben: Frauenfelder Geschäfte haben als Sponsoren die Kunstwährung „Murggold“ erworben und diese dann als Werbegeschenk an ihre Kunden weitergegeben. Sie können nun ihr Murggold gegen Delikatessen eintauschen.

Stadtfeste sind in Frauenfeld bisher keine regelmässige Einrichtung. Vor fünf Jahren gab es mit dem Tamburen-und Pfeiferfest das letzte derartige Event, das rund 100.000 Besucher aus der ganzen Schweiz nach Frauenfeld gezogen hatte. Mit so vielen Menschen rechnet nun nicht mal der grösste Optimist. Das Fest ist schliesslich vor allem für die Einheimischen gedacht. „Wir gehen von vielleicht 5000 Besuchern am Freitag und je 10.000 an Samstag und Sonntag aus“, so die OK-Vorsitzende. Naturgemäss hängt viel vom Wetter ab. Es darf einfach nicht regnen, dann wäre es weniger romantisch an der langen Tafel unter den beleuchteten Bäumen. „Wir haben uns bewusst gegen ein Zelt entschieden. Das hätte einfach nicht zur Sommerfest-Atmosphäre gepasst.“
 
Mitsommerfest vom 14. – 16. Juni in Frauenfeld: Das vollständige Programm findet man unter https://mitsommerfest.ch/programm/ 
 
Weitere Termine:  Dienstag 11. Juni, 19 Uhr, im Rathaus Frauenfeld: öffentliche Buchvernissage: „Stadtvereinigung 1919 - Ein grosser Schritt in die Zukunft“, von Stephan Heuscher, Andrea Hofmann Kolb, Angelus Hux und Thomas Pallmann.

Samstagnacht, 22.30 Uhr Konviktbühne: zwei Musiker, fünf Instrumente: Make Plain. Bild: Veranstalter

 

 


 

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