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von Inka Grabowsky, 14.09.2015

Lebenslange After-Work-Party

Lebenslange After-Work-Party
Präsident Fritz Brechbühl freut sich über den Saisonstart. | © Inka Grabowsky

Die deutsche Kabarettistin Mia Pittroff präsentierte ihr neues Programm zum ersten Mal in voller Länge. Das Kreuzlinger Publikum war hoch zufrieden.

Inka Grabowsky

Der Trägerverein der kleinen Bühne hatte sich zum Auftakt der Saison 2015/16 etwas besonderes überlegt: Die Zuschauer konnten eine Stunde vor Beginn der Vorstellung heimatliche Klänge des Jodelclubs „Seebuebe“ aus Altnau geniessen.

Die Seebuebe aus Altnau in vollem Einsatz. (Bilder: Inka Grabowsky)

 

Kultur ist Kultur

„Passt Jodeln zum Theater?“ hatte Vereins-Präsident Fritz Brechtbühl im Sommer einen der Sänger gefragt. „Wieso nicht“, antwortete der. „Kultur ist Kultur.“ Der Chor trat am Freitagabend den stimmigen Beweis an. Die Frage, ob tibetische Teigtaschen zu Schweizer Volksmusik und dem deutschem Kabarett im Hauptprogramm passen, stellte sich kaum jemand. Die „Momos“ und das süsse Gebäck „Khapsey“, die von vier Tibeterinnen zum Apero offeriert wurden, waren schlicht lecker.

Tibetisches Fingerfood zum Theater-Apero.

 

„Wir wollten unseren Saisonauftakt dieses Mal zu einem einzigartigen Erlebnis machen“, so Fritz Brechbühl. Aufgrund privater Kontakte sei man auf die Flüchtlinge gekommen, die schon drei bis vier Jahre in Kreuzlingen und Umgebung wohnen. Die Frauen stellten ihre Arbeit und ihr Know-how gerne zur Verfügung.

 

Auf Kriegsfuss mit der modernen Technik

Ein bisschen scharf und ein bisschen süss – so wie die tibetischen Delikatessen präsentierte auch Mia Pittroff ihr neues Programm. „Ganz schön viel Landschaft hier.“ Der Titel bezieht sich auf die Erkenntnis, die einen Menschen treffen kann, wenn er es schafft, sich kurz mal von seinem Smart-Phone zu lösen und sich in der realen Welt umzusehen.

Mit der modernen Technik steht Pittroff an diesem Abend auf Kriegsfuss. Reime wie „Folge mir, mein Herz twittert nur Dir“ aus dem brillanten Facebook-Song zeigen das exemplarisch. Mit QR Codes auf Bahnbillets, diesem „Schachbrettmuster auf Exstasy“, kann sie ebenso wenig anfangen wie mit online Steuererklärungen.

Unübersehbar: Mia Pittroff.

 

Reinstes Finanzamt-Sudoku sei das, schimpft die Wahl-Berlinerin mit fränkischen Wurzeln. Selbst ein Café-Besuch in der Grossstadt ist ihr zu kompliziert. „Man muss sich auf Facebook mit dem Café befreunden, um die Öffnungszeiten zu erfahren. Aber hier in Kreuzlingen ist die Welt noch in Ordnung: Die Bedienung kommt tatsächlich noch mit Block und Bleistift an den Tisch statt mit dem Tablet-Computer.“

Altern als roter Faden

Die Errungenschaften der Computertechnik könnten junge Menschen besser nutzen als Ältere, ist die These der 35-Jährigen. „Im Alter häuft sich das Nicht-Verstehen“, sagt sie. Gleichzeitig gibt sie ihrer Bühnenfigur eine hübsch zynische Auffassung des Pensionärslebens. Eine lebenslängliche After-Work-Party sei es heutzutage. Während früher ein Rentner auf den Briefträger oder auf den Tod wartete, habe er heute braungebrannt und durchtrainiert zu sein. „Da bleibe ich lieber jung und lebe in den Tag hinein“, sagt sie. „Wenn du alt bist, hast du dafür keine Zeit mehr.“

 

Die Themen Alter, Tod und Vergänglichkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das Herbstprogramm des Theaters an der Grenze. Auch die kommende Vorstellung von Strohmann & Kauz am 18. September wird sich auf lustvolle Weise damit auseinander setzen.

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