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von Brigitta Hochuli, 26.01.2012

Twitterperlen

Twitterperlen
Momentaufnahme tweetscapes, 26. Januar 2012. | © Screenshot: ho

Brigitta Hochuli

Ein Dutzend Thurgauerinnen und Thurgauer informieren sich auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter gegenseitig über Kultur und verbreiten ihre Empfehlungen an ein paar Hundert weiterer Twitterer. Das ist – gemessen am World Wide Web – noch wenig, was da aus unserem Kanton kommt. Umso mehr freut man sich über Perlen aus der nahen Umgebung.

Bundesrat Alain Berset hat an den Solothurner Filmtagen einen bemerkenswerten Satz von Theodor Heuss zitiert: „Mit Politik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht kann man mit Kultur Politik machen.“ Auf Twitter erfährt der Kulturinteressierte von solchen Statements zeitgleich.

Geradezu süchtig werden kann man von tweetscapes.de. Auf dieser Plattform werden die Schlagwörter der Nachrichten permanent in Musik umgesetzt. Sie ist auch im Thurgau zu hören! Claudia Rüegg, Pianistin, Musikdozentin und Präsidentin der Kulturstiftung unseres Kantons, hat sich auf Bitte von thurgaukultur.ch die Töne angehört. Ihr Fachurteil:

„Ein interessantes Konzept, durchaus musikalisch (es gibt einiges an Electronica, in Clubs gespielt oder auf CD, was nicht viel anders klingt) und spannend, weil damit eins der Postulate von John Cage – bewusst oder unbewusst – verfolgt wird: als Komponist versuchte Cage immer, nicht sich und seine Befindlichkeiten irgendwie auszudrücken, sondern er versuchte auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Strategien (zum Beispiel durch die Arbeit mit Würfeln oder dem I Ging) kompositorische Systeme zu entwickeln, die unabhängige und ohnehin geschehende Ereignisse hörbar machen.“

Es sage einer, Twitter bilde nicht! In diesem Sinn bietet Ihnen thurgaukultur.ch eine Auswahl. Sie finden sie hier. Mitmachen ist übrigens leicht und verpflichtet zu nichts.

***


Kommentare zu «Twitterperlen»

Dieter Langhart | 30.01.2012, 18.00 Uhr
Twitter informiert kaum, Twitter macht aufmerksam und lässt weiterlesen, weiterforschen. Aber genau wie bei Facebook oder Tumblr ist auch reichlich Geplapper auszumachen.
Twitter-Nachrichten lösen bisweilen Lauffeuer aus, auch politische – Kultur-Tweets dagegen scheinen eher kleine Sackgassen zu sein.
Nicht zuletzt können sich Journalisten in den Tugenden Kürze, Prägnanz und Ironie üben; die Zeichenbeschränkung ist Twitters Stärke.
Dieter Langhart @denkquer


Brigitta Hochuli | 30.01.2012, 18.17 Uhr
Ich fasse Kultur weit. Die sprachkritischen Bemerkungen (Tweets) von @denkquer (Dieter Langhart) gehören dazu. Er legt den Finger auf falsche Deklinationen genau so wie auf unsorgfältig wiedergegebene Metaphern. Und er denkt weiter. – Lauffeuer lösen Kulturtweets tatsächlich nicht aus – “Sackgassen” sind sie aber nicht. Das lässt sich nachrechnen.


Dieter Langhart | 30.01.2012, 19.07 Uhr
Mit Sackgassen meinte ich, dass Kultur-Tweets selten Dialoge oder Diskussionen auslösen. Das geht aber manchen Blogs genauso – und erst recht fast allen Zeitungsartikeln.
Gesprächskultur scheint ohnehin ein verschwindendes Kulturgut zu sein. Oder täusche ich mich da? Die Quasselshows auf gewissen Sendern können ja kaum ihre Kinder sein.


Brigitta Hochuli | 30.01.2012, 19.26 Uhr
Tatsächlich wären mehr Blogbeiträge von Kulturschaffenden eine Bereicherung. Gerade weil “Gesprächskultur” immer seltener öffentlich wahrgenommen wird. Aber ich bin zuversichtlich. Die Spalten von thurgaukultur.ch sind jedenfalls offen.


zora debrunner | 03.02.2012, 13.50 Uhr
ich empfinde das nicht so. ich erlebe einige kulturschaffende als dialogbereit. ich habe manchmal den eindruck, dass man erst einmal die “richtigen leute” für die diskussionen gefunden haben muss. dann läuft der austausch von selber. sogar auf twitter.

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