von Brigitte Elsner-Heller, 30.08.2018

Vorhang auf!

Vorhang auf!
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Es ist soweit: Die Theater der Region starten in die Spielzeit 2018/2019. Wir bieten einen Vorgeschmack auf das, was auf die grossen Bühnen kommt (Teil I) und darauf, was in etwas kleinerem Rahmen im Thurgau sonst noch alles angesagt ist (Teil II).

„Die schönen Tage in Aranjuez sind jetzt zu Ende“, um zum Auftakt Friedrich Schiller zu bemühen. Die unbeschwerten Tage des Sommers sind vorüber, die Arbeit ruft. Auch für die Theater, die gerade mit Hochdruck dabei sein dürften, die Bretter, die die Welt bedeuten, noch einmal ordentlich zu polieren. Klassiker, Zeitgenössisches, mit Musik und Tanz oder reines Sprechtheater: Das Angebot in der Region ist vielfältig, wobei Eigenproduktionen neben Gastspielen stehen. Zu den grossen Bühnen in St. Gallen, Winterthur und Konstanz gesellen sich weitere Theater im Thurgau, die stets für Überraschungen gut sind.

Teil I: Die grossen Bühnen

Theater St. Gallen – Alles in allem


Das Theater St.Gallen ist das einzige Dreispartenhaus der Region. In der kommenden Spielzeit werden in den Sparten Musiktheater, Tanz und Schauspiel insgesamt 23 Premieren zu erleben sein, darunter fünf Uraufführungen und sechs Schweizer Erstaufführungen. Saisonstart ist am Freitag, 31. August 2018, mit dem Klassik-Openair-Konzert vor der Tonhalle.

Aus dem klassischen Opernrepertoire stehen Neuinszenierungen von Giuseppe Verdis „Don Carlo“ und Gaetano Donizettis „L’elisir d’amore“ auf dem Programm. Die neuen Musicals sind „Hello Dolly!“ und „Priscilla – Königin der Wüste“. Als Freilichtoper bei den 14. St.Galler Festspielen feiert schließlich Giuseppe Verdis „Il trovatore“ am 28. Juni 2019 Premiere.

Das Schauspiel bringt mit Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ und Tennessee Williams' „Endstation Sehnsucht“ zwei Klassiker der internationalen Dramatik und thematisiert in einem neuen Auftragswerk „Fürsorgerische Zwangsmassnahmen“.

Das Sinfonieorchester St.Gallen spielt zehn Tonhallekonzerte, vervollständigt wird das Konzertprogramm durch Meisterzyklus-, Sonntags-, Mittags- und Familienkonzerte sowie Late Night Music. Genau(er) genommen:

Musiktheater

Mit Verdis Oper „Don Carlo“ beginnt die Musiktheater-Saison am 27. Oktober 2018, mit seinem „Il trovatore“ endet sie im Juli 2019 anlässlich der 14. St.Galler Festspiele. Macht und Verführung in verschiedensten Facetten sind dabei zentrales Thema der Spielzeit. Um die Macht von Einbildungskraft und Selbstvertrauen geht es in Gaetano Donizettis „L’elisir d’amore“ (Premiere: 23. März 2019), wohingegen Claudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ geschickte Verführung in den Fokus rückt (ab 11. Mai 2019). Macht und Machtverlust dann im russischen Doppelabend „Der unsterbliche Kaschtschei“ von Nikolai Rimski-Korsakow und „Die Nachtigall“ von Igor Strawinsky (Premiere: 2. Februar 2019). Um die Macht von Gefühlen und Normen schliesslich geht es in den Musicals „Hello, Dolly!“ von Jerry Herman und Michael Stewart (Premiere: 15. Dezember 2018) sowie „Priscilla – Königin der Wüste“ nach dem gleichnamigen Kinofilm (Premiere: 23. Februar 2019). Mit der modernen Aschenputtel-Version „Cinderella“ von Peter Maxwell Davies setzt das Theater St.Gallen die Reihe grosser Opernprojekte für Kinder mit Kindern fort (ab 15. März 2019).

Als Wiederaufnahmen stehen zudem Vincenzo Bellinis „Norma“ (ab 17. Januar 2019) sowie das Musical „Matterhorn“ von Michael Kunze und Albert Hammond auf dem Programm (ab 9. September 2019).

Tanz

Der Tanzkompanie unter Beate Vollack geht es wieder um Aspekte menschlicher Gefühle. Vergänglichkeit und Wandel sind Thema des Tanzstücks „Die Jahreszeiten“, das Beate Vollack nach der Musik Joseph Haydns choreografiert (Premiere: 22. September 2018) . Vom Glück im Spiel und im virtuellen Leben handeln die beiden Tanzprojekte in der Lokremise: das ebenfalls von Beate Vollack entwickelte Stück „Verzockt“ (ab 18. Januar 2019) und das Auftragswerk „Coppél-A.I.“ von Felix Landerer (Premiere: 2. Mai 2019). Im Rahmen der 14. St.Galler Festspiele erlebt „Desiderium“ von Yuki Mori in der Kathedrale am 3. Juli 2019 seine Uraufführung.

Schauspiel

Im Schauspiel werden zentrale Fragen von Existenz und Gesellschaft verhandelt, wobei der Fokus diesmal auf der Rolle des Einzelnen liegt. Mit Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ (Premiere: 12. April 2019), Tennessee Williams' „Endstation Sehnsucht“ (ab 7. Juni 2019) sowie Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ (Premiere: 28. September 2018) wird nach dem Privaten gefragt, das jedoch immer auch politisch ist. In „Spekulanten“, das als Container-Produktion auf Tournee das Rheintal aufwärts geht, versucht Autor Philippe Heule, eine Kartografie der Gefühlslage im Rheintal zu erstellen – Uraufführung am 6. September 2018. Das Auftragswerk von Darja Stocker mit dem Arbeitstitel „Ausgegrenzt und weggesperrt“, eine von vier Schauspielproduktionen in der Lokremise, befasst sich ab 22. Mai 2019 mit dem schwierigen Thema der „Fürsorgerischen Zwangsmassnahmen“.

Weitere Premieren im Schauspiel:

Thomas Melle: „Versetzung“ (Schweizer Erstaufführung 13. September 2018); Jens Hillje und Nurkan Erpulat: „Verrücktes Blut“ (ab 6. Dezember 2018); Michael Frayn: „Der nackte Wahnsinn“ (ab 11. Januar 2019); Konstantin Küspert: „sterben helfen“ (Premiere: 4. April 2019).
Zudem steht die Wiederaufnahme Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ auf dem Programm (31. Oktober 2018).

Und sonst noch:
Konzerte sowie Produktionen und Theaterkurse für Kinder und Jugendliche ergänzen das Programm noch. Weitere Informationen dazu unter www.theatersg.ch

 

Theater Winterthur – „Bühne für alle“


Das Theater Winterthur will als Gastspielhaus „Bühne für alle“ sein, wobei die Ausrichtung international ist. Langjährige Partnerschaften bestehen mit dem Burgtheater Wien, dem Theater Heidelberg, dem Schauspiel Frankfurt sowie dem Opernhaus Zürich, wobei in dieser Spielzeit weitere Kooperationen gepflegt werden.

Zum Auftakt

Den Auftakt der Spielzeit macht am 20. September 2018 die Uraufführung der Slapstick-Oper „Im Amt für Todesangelegenheiten“ von Klaus von Heydenaber, in der es grotesk und fantasievoll um Leben und Tod gehen soll. Regie bei der Koproduktion zwischen dem Theater Winterthur, dem Theater Luzern sowie dem 21st Century Orchestra führt der Ungar Viktor Bodó.

Ebenfalls noch im September ist Stefan Zweigs Novelle „Brief einer Unbekannten“ auf der Bühne zu erleben. Es ist die Geschichte einer grossen Liebe, die unerwidert blieb (Premiere der Eigenproduktion des Theaters Winterthur: 25. September 2018). Der Oktober beginnt in Winterthur mit „La Cenerentola“, Rossinis komischer Oper zum Märchen „Aschenputtel“ (Theater Orchester Biel Solothurn, Premiere: 4. Oktober 2018).

Die Highlights

Musik

Um mit den Programmhighlights der Spielzeit 2018/2019 zunächst bei der Musik zu bleiben: Das Musikkollegium Winterthur leistet wiederum seinen Beitrag zum Programm. Im Januar 2019 begleitet es „Schwanensee“ von Tschaikowky, das zu den bekanntesten Werken der Ballett- und Theaterwelt zählt. Den Ballettabend bestreitet in einer traditionell märchenhaften Inszenierung das Yacobson Ballett aus St. Petersburg (Premiere: 17. Januar 2019). Die Kooperation mit dem Opernhaus Zürich wird dann im Frühjahr mit Rossinis „Il barbiere di Sivigla“ fortgeführt (Premiere: 15. Mai 2019). Als Grossprojekt wird die Uraufführung der Sci-Fi-Oper „humanoid“ von Leonard Evers angekündigt, in der Traumfrau Alma eine zentrale Rolle spielt. Produziert wird das Stück gemeinsam vom Theater Winterthur, dem Musikkollegium Winterthur und dem Konzert Theater Bern. Es wendet sich an ein Publikum ab dreizehn Jahren (Premiere: 21. Februar 2019).

Gastspiele

Die Kooperation mit dem Wiener Burgtheater ist Garant für zwei weitere Highlights. Auf dem Spielplan steht Tennessee Williams' autobiografisches Stück „Die Glasmenagerie“ (Premiere: 2. November 2018), in der es um die Flucht in Tagträume geht, sowie „Dorian Grey“ nach dem berühmten Roman von Oscar Wilde (Premiere: 28. März 2019). Der Kult um ewige Jugend: Es gibt ihn nicht erst seit heute.

Das Theater Heidelberg bringt in dieser Spielzeit Brechts Parabel „Der gute Mensch von Sezuan“ nach Winterthur (Premiere: 30. Januar 2019), wobei den Klassiker wiederum Victor Bodó inszeniert, der für seine spektakulären Arbeiten bekannt ist. Aus Hannover ist mit dem Staatstheater William Shakespeares „Hamlet“ zu Gast. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn-Arnasson inszeniert den Bühnenklassiker um eine Welt, die aus den Fugen gerät, mit Live-Musik (Premiere: 28. November 2018).

Vieles mehr

Tanzabende sowie Aufführungen in englischer und französischer Sprache runden das Programm ab. Zudem gibt es Produktionen speziell für junge Zuschauerinnen und Zuschauer, bevor am 5. Juni 2019 die letzte Premiere der Spielzeit angesagt ist: „Endspiel“ von Samuel Becket, gespielt vom Beliner Ensemble.

Vollständiges Programm unter www.theater.winterthur.ch. Die Theaterkasse ist ab 3. September 2018 geöffnet. Tickets können online schon jetzt reserviert und gekauft werden.

Theater Konstanz – „Das Glück des Stolperns“


In der Spielzeit 2018/2019, die in Konstanz Ende September startet, werden unter dem Motto „Das Glück des Stolperns“ neben Stücken der Klassischen Moderne auch neue, gewagtere Stoffe auf die Bühne kommen – wenn alles nach Plan läuft, auch unter der Kuppel eines Zirkuszelts. Es ist die vorletzte Spielzeit unter Christoph Nix als Intendant. Ab 2020 wird Karin Becker, bisher künstlerische Betriebsdirektorin am Hamburger Thalia-Theater, die Geschicke des Hauses lenken. (Link zum Beitrag von Michael)

Stolpern, nicht scheitern

In Konstanz kommen wie stets überwiegend Eigenproduktionen auf die Bühne, Gastspiele bleiben die Ausnahme. Das Motto „Das Glück des Stolperns“ will Fehlschläge ins Auge fassen und dabei – durchaus auch tröstlich – an die Rolle des Clowns anknüpfen.

Zum Auftakt

Christoph Nix, der selbst über eine Ausbildung als Clown dem Theater nahe kam, eröffnet die Spielzeit mit einer eigenen Regiearbeit, mit dem absurden Stück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett (Premiere: 28. September 2018). Ebenfalls am Eröffnungswochenende wieder dabei: der Pole Andrej Woron, ein künstlerischer Allrounder. Nachdem er mit Michail Bulgakows „Meister und Margarita“ die vergangene Spielzeit eröffnet hatte, folgt nun in der Spiegelhalle „Hundeherz“, ebenfalls von Bulgakow (Premiere: 29. September 2018). Noch einmal konnte auch der bekannte US-Dramatiker Neil LaBute für Konstanz gewonnen werden. Er inszeniert „Betrogen“ von Harold Pinter (Premiere: 19. Oktober 2018). Zudem wird LaButes Monolog „Eine Art Liebeserklärung“ auf die Werkstattbühne gebracht – ein Stück über eine „unmögliche Liebe“ (Pemiere: 20. Oktober 2018).

Nachdenkliches

„Die Reis" thematisiert das Leben der Jenischen, eines fahrenden Volks. Der Konstanzer Autor Gert Zahner hat das Stück geschrieben, das in Singen gespielt wird, das einst regionales Zentrum der jenischen Kultur war (Premiere: 5. Oktober 2018, Singen, Scheffelhalle). Nachdenkliches auch in „Der Reichsbürger“ von Annalena und Konstantin Küspert, einem Monolog über die Gedankenwelt derer, die sich immer noch im „Deutschen Reich“ wähnen (Premiere: 27. Oktober 2018). Mit „Erschieß die Apfelsine“ nach dem Jugendroman von Mikael Niemi kommt im Jungen Theater die einzige Uraufführung der Spielzeit auf die Bühne (Premiere: 10. November 2018).

Ein märchenhafter Winter

Weihnachtszeit ist Märchenzeit! Mit Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ wird ein berührendes Thema angesprochen: Es geht um den Tod zweier Brüder, die sich im Land jenseits dieser Welt wieder begegnen (Premiere: 11. November 2018). Nicht ganz konflikfrei geht es auch bei der Weihnachtsproduktion für die ganz Kleinen zu. In „Vom Fischer und seiner Frau“ hat das Wünschen am Ende bekanntlich doch nicht viel geholfen (Premiere: 25. November 2018).

Finale im Zirkuszelt

Gleich zu Beginn des Jahres 2019 eines der meistgespielten Stücke der Klassischen Moderne: Wolfgang Borcherts „Draussen vor der Tür“ in der Regie von Mareike Mikat (Premiere: 18. Januar 2019). In „Momentum“ der niederländischen Autorin Lot Vekemans geht es dann um die Verflechtung von Politischem und Privatem (Premiere: 15. Februar 2019). Mit „Der brave Soldat Schweijk“ nach dem Schelmenroman von Jaroslav Hašek wird wiederum der Anschluss an „das Glück des Stolperns“ gefunden (Premiere: 15. März 2019). Wie schelmisch sich Robert Menasse in seinem preisgekrönten Roman „Die Hauptstadt“ mit der Europäischen Union auseinandersetzt, können Theaterbesucher im Mai erleben (Premiere: 17. Mai 2019), bevor das Theaterzelt auf Klein Venedig ganz in den Mittelpunkt rückt. Neben „Katharina Knie“ von Carl Zuckmayer (Premiere: 28. Juni 2019) wird in „Foottit und Chocolat“ (Arbeitstitel) die Geschichte des ersten schwarzen Clowns erzählt – „eine Hommage an die Menschlichkeit im Angesicht der Clownerie“, wie es von Seiten des Theaters heisst. Die Gemeinschaftsarbeit von Olli Hauenstein und Christoph Nix soll am 15. Juni 2019 Premiere feiern.

www.theaterkonstanz.de
Tickethotline 0049 (0)7531.900150
theaterkasse@konstanz.de
Die Theaterkasse ist ab 15. September wieder geöffnet.

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