von Sascha Erni, 22.03.2021

Wortlaut geht ins Netz

Wortlaut geht ins Netz
Werner Rohner gab dem Festival nicht nur das Motto mit auf den Weg, sondern macht sich am Wortlaut-Sonntag gleich selbst auf einen Spaziergang. | © Christoph Oeschg

Vom 25. bis 28. März 2021 findet das 13. Wortlaut-Literaturfestival statt. Die St. Galler Literaturtage beschreiten pandemiebedingt mit einem digitalen Alternativprogramm neue Wege. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Das Wortlaut St. Galler Literaturfestival ) stellt sich in seiner dreizehnten Auflage unter das Motto «Was möglich ist». Wer hier spontan Assoziationen zum Werk des Zürcher Schriftsteller Werner Rohner hat, liegt goldrichtig – der Titel seines neusten Romans stand tatsächlich Namens-Pate, denn der Autor hätte eigentlich vom 25. bis 28. März sein Buch in St. Gallen persönlich vorstellen wollen.

Corona machte der Planung einen Strich durch die Rechnung, aber der Titel bleibt. «Eine wirkliche Alternative sind digitale Formate nicht, aber eben: Was möglich ist», wie das Wortlaut-Organisationskomitee es ausdrückt.

Solidarität via digitale Eintrittskarten

Eine gleichwertige Alternative zu den Lesungen und Veranstaltungen, die normalerweise über die halbe St. Galler Altstadt verteilt stattfinden, mag das Online-Format nicht darstellen. Als einziger Offline-Ort des Festivals steht am 28. März das Museum of Emptiness für Besucherinnen und Besucher offen.

Und anstelle der üblichen um die 40 Mitwirkenden beschränkt sich das virtuelle Programm auf die Hälfte. Die Live-Streams, virtuellen Spaziergänge, Filme und Zoom-Schaltungen sind fürs Publikum kostenlos, das Wortlaut freut sich aber über jede erworbene Solidaritäts-Eintrittskarte.

Das Museum of Emptiness an der St. Galler Haldenstrasse ist die einzige Örtlichkeit, die dieses Jahr dem Publikum während des Wortlaut-Literaturfestivals offen steht. Bild: zVg

Kleineres Programm, aber feine Auswahl

Die Programmverantwortlichen um Rebecca C. Schnyder stellten für 2021 ein kleines, aber feines Online-Menü zusammen. Den Anfang macht am 25. März der Publizist und Kulturvermittler Richard Butz, der zusammen mit der Schauspielerin Nathalie Hubler seinen neuen Stadtführer in einem Kurzfilm vorstellt.

Am Freitag steht eine Premiere an: Das Theater am Tisch interpretiert mit Musik, Schauspiel und Grafik in einem Live-Stream die Graphic Novel «Nachtgestalten» von Jaroslav Rudis und Nicolas Mahler.

Die Autorin Simone Baumann stellt ihr aktuelles Buch vor. Bild: zVg

 

Traditionell am dichtesten gepackt ist das Programm am Samstag. Neben dem LECHTS-Live-Stream, in dem Simone Baumann und Thomas Ott im Gespräch mit Lika Nüssli und Julia Kubik ihre beiden neusten Bücher vorstellen, geht die beliebte Reihe «Gassenhauer» das erste Mal virtuelle Wege. Marcus Schäfer und Diana Dengler klinken sich aus den eigenen vier Wänden ins Literaturfestival ein. Und ab 21 Uhr laden Hildegard Keller und Christof Burkard zur Late-Night in der Zoom-Bar.

Die Matinee am Wortlaut-Sonntag findet mit Maya Olah virtuell, als Mischung aus Lesung und Video-Essay, im leeren Volksbad St. Gallen statt. Und zum Abschluss darf man sich dann doch noch auf Werner Rohner freuen: Zusammen mit der Autorin Laura Vogt macht er sich auf einen Spaziergang. Die zwei werden nicht nur ihren zweiten Roman «Was uns betrifft» besprechen, sondern natürlich auch sein Buch «Was möglich ist» zum Thema machen – womit sich der Kreis schliesst.

Online, der noch niederschwelligere Zugang?

Die Wortlaut-Literaturtage haben ihre Wurzeln im Jahr 2008. Was als kleines Festival angefangen hat, entwickelte sich schnell zu einer mehrtägigen Literaturveranstaltung, die alljährlich Ende März St. Gallen zum kulturellen Epizentrum der Ostschweiz macht. Alljährlich? Fast, denn 2013 pausierte das Festival. Das Organisationskomitee wollte den Anlass reflektieren, Änderungs- und Optimierungsmöglichkeiten finden. 2014 kehrte Wortlaut zurück in die Stadt, neu unter der Trägerschaft der Gesellschaft für deutsche Sprache und Literatur GdSL.

Trotz erschwerten Bedingungen aufgrund der Pandemie zeigt das 2021er Programm deutlich, welche zentrale Rolle das Wortlaut nicht nur in der Ostschweiz, sondern zurecht im gesamten Bodenseeraum hat. Denn nicht nur bietet es Schreibenden eine wichtige Plattform, sondern es ermöglicht dem breiten Publikum einen niederschwelligen Zugang zur Literatur. Und wer weiss? Vielleicht wird sich zumindest in dieser Hinsicht der Online-Zwang und damit die Möglichkeit, in der eigenen guten Stube am Literaturfestival teilzunehmen, als Vorteil erweisen.

Vollständiges Programm und weitere Informationen: www.wortlaut.ch

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