Shitstorm für Stadtrat

Shitstorm für Stadtrat
In diesem Jahr gehen hier keine Lichter an: Das Out in the Green Garden fällt 2017 aus. Was danach passiert, ist noch offen. | © David Hauser

Nach der Absage des beliebten Festivals "Out in the Green Garden" gingen die Wogen in den sozialen Medien im Internet hoch. Viele Kommentatoren zeigten sich enttäuscht und frustriert über das Festival-Aus. Wir fassen die Reaktionen zusammen.

Von Michael Lünstroth

Die Empörung im Netz über das Festival-Aus ist gross. So kommentierte beispielsweise Liz Kühne: "Geht's eigentlich noch? Kultur hat anscheinend keine Berechtigung mehr in Frauenfeld. Dagegen muss man sich wehren. Vielleicht den Standort verlegen? Für hudigäggeler Anlässe ist seltsamerweise immer Raum gegeben....somit wandert die Jugend ab.....peinlich.....innovative Politik sieht ganz anders aus...." Sie schlägt zudem eine Petition in der Sache vor. Dazu erklärten die Festivalmacher: "Das wäre gewiss eine von mehreren Möglichkeiten. Wir sind dabei, einen Kulturplan auszuarbeiten, auch mit Hilfe unseres Netzwerkes."

Auch auf thurgaukultur.ch wurde die Entscheidung heftig diskutiert

Phil Icht schreibt in der Facebook-Gruppe "Du bisch vo Frauefeld wenn..." unter anderem dies hier: "Frauefeld wird veralte. schad. denn ziet meh hald weg. wies usgseht isch frauefeld kein platz zum spass ha." Ninghetto Rene wird noch deutlicher, er fordert gleich einen neuen Stadtrat in seinem Kommentar.

Stephan Grob beschreibt seine Sicht auf das Thema so: "Dass sich der Stadtrat jetzt nicht entschieden auf die Seite des „Out in the green garden" stellt, ist für mich eine grosse Enttäuschung! Hallo? 25'000 Einwohner! Wann wird den Leuten klar gemacht, dass sie in einer Stadt leben!? Mir scheint, dass den Kulturschaffenden immer noch beigebracht wird, dass Frauenfeld ein Dorf ist. Das muss sich ändern. Das Ermöglichen von Kultur ist Service Public – und davon „dörfs es bitzeli meh si"!... und ja, ich bin auch ein Anwohner. Ein Anwohner vom Burstelpark/Marktplatz. Hier gibt es Zirkus, Jahrmarkt, Fasnacht, Restaurantbesucher und vor zwei Jahren auch noch Musik vom Out in the green garden. Willkommen in der Stadt!"

Intensive Debatte auch auf der Facebook-Seite der Veranstalter

Selina Beck-Moser äussert in ihrem Beitrag Verständnis für die Absage der Veranstalter: "Traurig, was da abgeht in meiner Lieblingsstadt...aber toll, dass ihr eure Konsequenzen daraus zieht und trotzdem weiter kämpft für eine kulturell reiche Stadt. Genau solche Menschen wie euch braucht Frauenfeld!! Weiter so!!" Bedauern auch bei Sonia Wilhelm. Sie erklärt: "Eifach nu schad ha denkt frauenfeld lebt aber frauenfeld schläft! Himmel 1x im johr u mä verbütät nu wells mol chli luut isch schad das mer ä soo ä tradition ussterbä lot.."

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"Bedenkliche Geringschätzung gegenüber den Organisatoren"

Ausführlich und dennoch pointiert äussert sich Markus Laeng. Er meint: "Bedenklich, dass sich der Stadtrat von ein paar wenigen hysterischen Häuschenbesitzern ("wir sind durch die Hölle gegangen") vor den Karren spannen lässt. Noch bedenklicher ist aber die Geringschätzung die der Stadtrat den Organisatoren gegenüber an den Tag legt. Ich erwarte vom Stadtrat schon, dass er sich beide Seiten (und die Bevölkerung) anhört, bevor einfach in tapsiger Manier neue Regeln aufgestellt werden (die genau darauf abzielen, dass so ein Festival nicht mehr stattfinden kann). Das Festival gehörte zu den Highlights (das OAF zähle ich da nicht mal dazu) des Jahres und bot vielen, nicht nur jugendlichen Frauenfeldern tolle Konzerte bei freiwilligem (!) Eintritt und das in einem Park, der die restlichen 355 Tage eher eine ruhige Kugel schiebt. Herr Anders Stokholm übernehmen Sie! Sie sind nicht nur Stadtpräsident der Häuschenbesitzer. Ohne Kultur kein Frauenfeld, keine Schweiz, keine Welt!"

Der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stokholm hat noch am Samstag mit einem Facebook-Post reagiert. Darin schreibt er: "Liebe Out in the Green Garden Unterstützer. Vielen Dank für alle Eure Anfragen und Inputs. Gerne stelle ich mich diesen, halte es aber für sinnvoll, dies im Gespräch zu tun, damit keine neuen Missverständnisse entstehen. Gerne komme ich hierfür in der übernächsten Woche einmal zum Beispiel ins Kaff an einem Abend. Teilt mir doch mit, wann es für Euch gehen würde - ausser Montag geht es mir in dieser Woche immer." Immerhin - man scheint wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Das ist die gute Nachricht des Wochenendes.

Die Reaktion des Stadtpräsidenten via Facebook

Die Veranstalter des Out in the Green Garden hatten am Freitagmorgen die Absage für 2017 bekannt gegeben. Darin schreiben sie unter anderem, dass die neuen Auflagen für Veranstaltungen im Murg-Auen-Park das Festival unmöglich machen. Der Stadtrat hatte zuvor die Besucherzahl auf 1000 begrenzt und zudem die Zeiten für Auf- und Abbau deutlich restriktiver gefasst. Unter diesen Bedingungen, so die Veranstalter, machte das Ganze keinen Sinn mehr.

 

 

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