von Brigitte Elsner-Heller, 27.02.2018

Das Theaterhaus wird 10 und sorgt sich um seinen Standort

Das Theaterhaus wird 10 und sorgt sich um seinen Standort
Aussenansicht des Theater Thurgau bei Nacht | © Theaterhaus TG

Viel wurde geleistet, viel wird geleistet, um Theater im Kanton einen festen Ort zu geben. In welcher Form das in Zukunft geschehen wird, könnte noch spannend werden.

Von Brigitte Elsner-Heller

Im November 2008 war es endlich soweit: Das Theaterhaus Thurgau in Weinfelden, gemeinsame Spielstätte von Theater Bilitz, Bühni Wyfelde und dem Theagovia Theater, wurde eröffnet. Vorausgegangen waren jahrelange Bemühungen, Theater im Kanton Thurgau einen festen Ort zu geben. Vor der Bilitz-Premiere „Die Insel“ am 18. Februar 2018 hörten die Mitglieder des Gönnervereins Pro Bilitz allerdings Neuigkeiten: In der Versammlung wurde berichtet, dass die SBB, Besitzerin des Areals, einen Gestaltungsplan für das Areal vorlegen wolle. Könnte dies etwa das Ende des Theaterhauses in seiner jetzigen Form bedeuten?

Weinfelder Stadtpräsident hält Spekulationen für verfrüht

Max Vögeli, Stadtpräsident der Gemeinde Weinfelden, wird auf Nachfrage konkret: Nach augenblicklichem Stand laufe das Baurecht der SBB zugunsten der Gemeinde Weinfelden für das Theaterhaus bis Ende 2042. Zu einer möglichen künftigen Entwicklung äussert er: „Bezüglich der Entwicklung des Bahnhofareals Nordwest fanden Gespräche mit der SBB statt. Die SBB ist bereit, in ihr Planungsbudget 2018 Mittel für die Erarbeitung eines SBB-Gestaltungsplans einzustellen. Für den Gestaltungsplan werden die Bedürfnisse und Potentiale des Bahnhofs Weinfelden und des entsprechenden Gebiets abgeklärt. Danach wird der Gestaltungsplan erstellt. Die durchschnittliche Planungsdauer bei solchen Projekten beträgt drei Jahre.“ Der Stadtpräsident fasst zusammen, es sei „zum heutigen Zeitpunkt völlig verfrüht, über den Inhalt des künftigen Gestaltungsplans zu spekulieren. Es ist demzufolge auch noch offen, ob und wie der Standort des Theaterhauses betroffen sein wird.“

Roland Lötscher, Geschäftsführer des Theaterhaus Thurgau und Leiter des Theater Bilitz, glaubt nicht, dass die Situation „total bedrohlich“ werde: „Ich gehe davon aus, dass es eine gute Lösung geben wird.“ Trotzdem agiert man beim Theaterhaus Thurgau vorsichtig. Wie Roland Lötscher sagt, werden zwar wie vorgesehen im Frühjahr Nebengebäude als Probenräume und Lager für das Theater Bilitz hinzukommen, den ursprünglich vorgesehenen Umbau werde man nun allerdings vorerst nicht angehen.

Lange wurde ein fester Spielort für Theater im Thurgau gesucht

Das Theater Bilitz, als professionelles Theater vor 30 Jahren gegründet und heute das ganze Jahr über in der ehemaligen Eternithalle am Bahnhof zu Hause, spielte die ersten 15 Jahre seines Bestehens in Münchwilen, es folgten 4 Jahre in Frauenfeld. Die Bühni Wyfelde, die noch im Gubler-Keller spielte, suchte einen Spielort, und die Theagovia, die im Sun-Areal in Bürglen zunächst ein grosses Kulturprogramm zu stemmen hatte, verlegte sich auf Eigenproduktionen. Im Gespräch war man also schon längere Zeit – die Theater untereinander, der Kanton und Gemeinderäte aus Weinfelden. Denn in Weinfelden war man gleichzeitig auf der Suche nach Raum für die Bibliothek und die Musikschule.

So entstand das Theaterhaus Thurgau: Ein Bild aus der Bauphase des Hauses.

So entstand das Theaterhaus Thurgau: Ein Bild aus der Bauphase des Hauses. Bild: Theaterhaus Thurgau 

Um damals in die Planung einsteigen zu können, mussten sich die Theater einig werden, und es ging auch darum, die finanziellen Mittel für das Projekt Theaterhaus zu sichern. Natürlich kannten sich die Theatermacher im Thurgau untereinander. Roland Lötscher etwa, Gründer des Theater Bilitz, hatte auch schon Produktionen mit der Bühni Wyfelde gemacht und war auch im Vorstand der Theagovia sowie Spielleiter dort. Die drei Theater, die nun im Theaterhaus Thurgau spielen, mussten zwar Kompromisse machen, sind allerdings unabhängig geblieben.

Keine Konkurrenz im gemeinsamen Theaterhaus

Zu einer Konkurrenz ist es wohl auch deshalb nicht gekommen, weil sie in ihrer Ausrichtung unterschiedlich sind. Die Bühni Wyfelde, ein 1991 als Verein gegründetes Laientheater mit regionalem Einzugsgebiet, spielt einmal im Jahr im Theaterhaus und geht nicht auf Tournee. Beim Bilitz sieht das anders aus: Etwa die Hälfte der Besucher einer Premiere kommen nicht aus dem Kanton. Zudem liegt für das Theater Bilitz der Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendtheater,wobei man mit Eigenproduktionen auch in Schulen aufführt und auf Tournee geht. Über die Reihe „theaterblitze“ werden auch andere Produktionen professioneller Theater eingeladen, zudem gibt es ein umfassendes theaterpädagogisches Angebot, das sich nicht nur an Jugendliche, sondern auch an theaterbegeisterte Erwachsene richtet. Es wirkt zudem als Veranstalter und ist für die Führung des Theaterhaus Thurgau verantwortlich. Das Theagovia Theater, 1980 als Kulturverein Theagovia gegründet, bringt seit 1981 in Zusammenarbeit mit engagierten Amateuren unter der Leitung verschiedener Regisseure Stücke auf die Bühne, die meist einen konkreten Gegenwartsbezug haben – und durchaus auch frech sein dürfen. „gangunterwelt“, eine sehr irdisch angehauchte Weltraumodyssee, mag als jüngstes Beispiel gelten.

So sieht das Theaterhaus bei Tage aus. Die Frage ist - wie lange noch? Pläne der SBB für das Areal könnten einiges verändern.

So sieht das Theaterhaus bei Tage aus. Die Frage ist - wie lange noch? Pläne der SBB für das Areal könnten einiges verändern. Bild: Theaterhaus Thurgau

Wie man zu 1,4 Millionen Franken kommt

Für die finanzielle Ausstattung des Projekts Theaterhaus Thurgau war man in Weinfelden aktiv und auch erfinderisch. 2008 wurde der Verein Pro Theaterhaus gegründet mit dem Hauptzweck, Sponsorengelder einzuwerben. Im Verein, der auch heute noch existiert, waren unter anderem auch Weinfelder Gemeinderäte vertreten, so etwa Beat Curau oder Valentin Hasler, heute als Gemeinderat zuständig für das Ressort Kultur/Sport/Tourismus. Präsident des Vereins war Walter Keller. Von den 1,4 Millionen Franken, die der Ausbau der alten Eternithalle kostete, wurden dann auch rund 400.000 Franken durch Sponsoren aufgebracht. 700.000 Franken kamen als Kredit von der Gemeinde Weinfelden, der Rest aus dem kantonalen Lotteriefonds. Nicht zu vergessen: Es wurde in Weinfelden auch viel Eigenarbeit investiert.

Theater ausserhalb der Metropolen

Nach den Worten von Roland Lötscher ist kein Festprogramm geplant zum 10-jährigen Bestehen des Theaterhaus Thurgau – wie übrigens auch nicht für das Theater Bilitz, das nun 30 Jahre existiert. Man sei an der Grenze der eigenen Ressourcen. Das heisst allerdings nicht, dass man auf das Erreichte nicht stolz sein dürfte – oder es ist. Gerade auch wenn Ensembles zu Gastspielen in das Theaterhaus Thurgau kommen oder Koproduktionen entstehen, bekommt Roland Lötscher oft positive Reaktionen anderer Theatermacher zu hören: „Meistens sind die Leute erstaunt, dass es hier in Weinfelden dieses Theaterhaus gibt. Ausserhalb der Metropolen, wo es etwas stiller ist. Sie kommen gern.“

www.theaterhausthurgau.ch

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