Alles auf Neustart

Alles auf Neustart
Schluss mit Werkschau, Schluss mit den Frauenfelder Lyriktagen: Die Kulturstiftung will sich neu erfinden und schneidet alte Zöpfe durch. | © Michael Lünstroth

Keine Werkschau mehr, keine Lyriktage mehr: Die Kulturstiftung des Kantons streicht bekannte Veranstaltungen. Und setzt stattdessen bei ihrer Neuausrichtung auf mehr Teilhabe und ein noch etwas vages Mehrspartenformat.

Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau geht neue Wege: Nach dem bereits beschlossenen Aus für das Tanzfestival tanz:now werden nun auch die langjährigen Veranstaltungsformate Werkschau Thurgau (lief seit 2013 alle drei Jahre) und die Frauenfelder Lyriktage (seit 1991) eingestellt. Das erklärte die Stiftung Ende Oktober in einer Medienmitteilung. Angesichts der bisherigen Bedeutung dieser Festivals für den Kanton ist das durchaus überraschend. Was steckt dahinter?

„Wir haben uns schon länger gemeinsam mit dem Stiftungsrat Gedanken über die Entwicklung der Kulturstiftung gemacht und die bestehenden Veranstaltungsformate evaluiert und diskutiert“, erklärt Stefan Wagner, Beauftragter der Kulturstiftung. Ergebnis der Analyse war demnach, dass man mit den bisherigen Formaten nicht mehr zufrieden war. „Sie waren gut so lange es sie gab, aber wir hatten so ein bisschen das Gefühl, dass da jetzt die Luft raus ist“, sagt Wagner. Es gehe jetzt darum, neue Formate zu finden, die besser in unsere Zeit passen, findet der Beauftragte der Kulturstiftung.

Ziel: Öffentlichkeit darf mitentscheiden, was gefördert wird

Eine Idee dazu ist die Entwicklung eines so genannten Mehrspartenformats. „Dadurch sollen neue Ideen in der Kulturförderung ermöglicht sowie Raum für unkonventionelle Formate geschaffen werden“, heisst es in der Medienmitteilung der Stiftung dazu. Viel konkreter wird es dann aber nicht, die genaue Ausformulierung der Ausschreibung des Formats werde noch im Laufe des November erfolgen, erläutert Stefan Wagner. Insgesamt solle das neue Projekt aber sehr offen angelegt sein: „Wir wollen eigentlich möglichst wenig ausschliessen“, sagt Wagner.

Ein Ziel des mit dem Projekt einhergehenden Wettbewerbs sei es auch, Ideen zu entwickeln, „die vielleicht ein bisschen grösser sind als das Übliche im Kanton“, so der Beauftragte der Kulturstiftung weiter. Als Budget soll dafür in etwa die Summe zur Verfügung stehen, die bislang in Werkschau, Lyriktage und tanz:now floss. Eine konkrete Summe nennt die Kulturstiftung nicht, aber zählt man die bisherigen Budgets von „tanz:now“ (67’000 Franken), „Frauenfelder Lyriktagen“ (15’000 Franken) und „Werkschau Thurgau“ (2019: 31’990 Franken) zusammen, ergibt sich insgesamt ein Beitrag von rund 115’000 Franken.

«Es soll zu einer Debatte kommen, wie Kultur im Kanton stattfindet und wer darüber entscheidet, was für Projekte realisiert werden.»

Stefan Wagner, Beauftragter der Kulturstiftung des Kantons Thurgau (Bild: Ramona Früh)

Kulturschaffende, Kulturinstitutionen und auch Veranstalter sollen sich ab Ende November mit einem Konzept um die Ausrichtung dieses Mehrspartenformats bei der Kulturstiftung bewerben können. Ausgewählt wird dann am Ende die überzeugendste Idee. Allerdings, und auch das ist neu, nicht allein von einer Fachjury, sondern auch von der Öffentlichkeit: „Es soll zu einer Debatte kommen, wie Kultur im Kanton stattfindet und wer darüber entscheidet, was für Projekte realisiert werden“, erklärt Stefan Wagner das Prinzip. Wie genau dieser Teilhabe-Gedanke umgesetzt werden soll, ist aber noch offen.

Die Entscheidung, die bewährten Veranstaltungen zu streichen, habe sich die Stiftung nicht leicht gemacht, sagt Stefan Wagner. „Für uns ist das jetzt auch ein Wagnis, weil wir nicht wissen, was am Ende dabei herauskommt. Ich freue mich aber sehr auf das, was jetzt kommt. Denn: Wir hatten das Gefühl, dass wir etwas verändern müssen, um noch auf der Höhe der Zeit zu sein“, so der Beauftragte der Kulturstiftung.

2021 wird die Kulturstiftung 30 Jahre alt

Die Zukunftsgedanken der Stiftung haben auch viel mit einem runden Geburtstag zu tun: Im nächsten Jahr wird die Kulturstiftung 30 Jahre alt. Da kann es nicht schaden, sich rechtzeitig zu überlegen, wohin man eigentlich noch will. Wer macht das nicht im Alter von 30 Jahren?

 

Transparenz-Hinweis: Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau ist eine von zwei AktionärInnen der gemeinnützigen Thurgau Kultur AG, die thurgaukultur.ch betreibt. Alle Details zur Struktur und Finanzierung von thurgaukultur.ch findet ihr hier.

HTML Comment Box is loading comments...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kulturpolitik

Kommt vor in diesen Interessen

  • Kulturförderung

Ist Teil dieses Dossiers

Werbung

«Debüts. Der erste Roman»

Alle Beiträge zum Literatur-November.

Aktuelle Führungen

auf einen Blick!

Agenda

Tipps & Tricks für Veranstalter

exklusiv, kreativ, lokal

unsere #Geschenktipps für Gross & Klein

Ausschreibungen

Ähnliche Beiträge

Kulturpolitik

250’000 Franken für Recherche

Das Recherche-Stipendium der Kulturstiftung ist so beliebt, dass es 2021 erneut ausgeschrieben wird und sogar leicht erhöht wird. Der Regierungsrat hat jetzt die Mittel dafür frei gegeben. mehr

Kulturpolitik

Rettet die Literaturkritik!

Warum wir einen Preis für Rezensionen brauchen. Und warum Kultur auf qualitative Kritik und Kulturjournalismus nicht verzichten kann. Ein Plädoyer. mehr

Kulturpolitik

Gesucht: Der Bauplan für ein Museum

Eine Podiumsdiskussion in Arbon zeigt, dass der Weg zu einem neuen kantonalen Historischen Museum in der Bodenseestadt kein Spaziergang wird. Sondern eher ein jahrelanger Marathon. mehr