von Elke Reinauer, 30.03.2026
Der König lacht zuletzt

Kein Scherz: Am Mittwoch, 1. April, gastiert der Comedian Peach Weber im Gemeindesaal Aadorf. Warum er in Zukunft noch den ein oder anderen Auftritt bei Dorffesten haben wird und was er macht, nachdem der letzte Vorhang gefallen ist, erzählt er im Interview. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)
Er hat es von langer Hand geplant und das mit königlicher Gelassenheit: Peach Weber, 72, Schweizer Comedylegende, weiss bereits heute, wie seine Geschichte enden wird. Im Oktober 2027 steht seine Abschiedsvorstellung im dreifach ausverkauften Hallenstadion in Zürich fest im Kalender. Er hält einen Weltrekord für den längsten Vorverkauf einer Show: Denn die Tickets für seine Abschiedsvorstellung am 15. Oktober 2027 (seinem 75. Geburtstag) gingen bereits vor 18 Jahren in den Verkauf.
Sein 17. Programm trägt den Titel: «King of Gäx». Im Gespräch zeigt sich: Hinter dem charmanten Knallfrosch aus dem Aargau steckt ein Mann, der seinen Abgang genauso bewusst gestaltet wie seine Auftritte. Warum er in Zukunft noch den ein oder anderen Auftritt bei Dorffesten haben wird und was er macht, nachdem der letzte Vorhang gefallen ist, erzählt er im Interview.
Am 1. April, um 20 Uhr, gastiert Peach Weber im Gemeindesaal Aadorf. Der Vorverkauf ist bereits eröffnet. Tickets sind unter der Tel. 0900 800 800 (Fr.1.19/Min.), in Coop-City-Filialen sowie unter www.ticketcorner.ch erhältlich.
«Überall, wo sich eine Gelegenheit bietet, einen kleinen Auftritt machen.»
Was Peach Weber jungen Comedians rät
Sie haben Ihren Abschied auf den Tag genau geplant seit 2008. Andere Künstler können gar nicht aufhören. Was wissen Sie, was die nicht wissen?
Das muss jeder selber entscheiden. Es gibt Leute, die zehn Jahre Abschiedstour machen, das ist nicht meine Art. Ich habe vor 18 Jahren diesen Endpunkt gesetzt, damit jetzt ein dreimal volles Hallenstadion erreicht. Danach gibt es sicher keine Tour mehr. Vielleicht trete ich dann noch ab und zu an einem Dorffest auf, aber eine Tour ist mir langsam zu anstrengend.
Wenn am 15. Oktober 2027 der Vorhang fällt, was werden Sie am nächsten Morgen vermissen?
Am nächsten Morgen sicher noch nichts. Ich werde dann zuerst mal das Hallenstadion aufräumen, ich muss es ja besenrein abgeben. Ich hoffe, dass mir da noch zwei oder drei Leute helfen. Danach werde ich mich unter dem Sauerstoffzelt erholen und die Eindrücke verarbeiten.
Video: SRF-Beitrag über das allerletzte Programm von Peach Weber
Im Thurgau leben überdurchschnittlich viele Deutsche. Sind die ein dankbares Publikum oder müssen Sie Ihre Witze für sie erst übersetzen?
Nein, auch diese Deutschen wissen, was ich auf der Bühne mache, und kommen sicher nur, wenn sie sehr gut Schweizerdeutsch verstehen. Ich werde also keine Untertitel machen müssen.
Sie touren seit 45 Jahren durch die Schweiz. Wie hat sich das Publikum in dieser Zeit verändert?
Bei mir nicht gross, zum Glück hat es sich immer wieder aufgefrischt, indem Junge dazukamen, auch Kinder, die plötzlich meine Lieder lustig fanden. Deshalb ist mein Publikum immer noch so durchmischt, wie seit 45 Jahren. Ich sage dazu immer «Dorffestpublikum», das ist auch bunt gemischt durch alle Schichten und Altersgruppen.
«Ich war mit dieser Tour in keiner Gegend so häufig, wie in der Ostschweiz und überall volle Säle, es muss irgendwie auch ein Heimspiel sein.»
Peach Weber, Comedian
Der Thurgau gilt nicht gerade als Comedy-Hochburg. Was bringt Sie trotzdem immer wieder her?
Immer, wenn ich im Aargau auftrete, fragen die Leute: Ist das für Sie ein Heimspiel? Eigentlich nicht, denn es funktioniert in der ganzen Deutschschweiz gleich gut. Ich war aber mit dieser Tour in keiner Gegend so häufig, wie in der Ostschweiz und überall volle Säle, es muss irgendwie auch ein Heimspiel sein.
Merken Sie einen Unterschied zwischen dem Publikum im Thurgau und jenem in Zürich oder Basel?
Eigentlich nicht gross, nach zehn Minuten im Programm merke ich nicht mehr, ob ich im Thurgau oder im Wallis bin. Vielleicht gibt es einen kleinen Unterschied zwischen Stadt und Land. In der Stadt sind sie ein höheres Tempo gewohnt, auf dem Land nehmen sie es gemütlicher. Und das ist mir auch sympathischer.
Der Thurgau ist bekannt für Äpfel, Napoleons Grab und stille Seen. Was fehlt diesem Kanton?
Vor allem das feine Rüebli, der Aargau ist ja der Rüeblikanton. Wir haben auch wunderschöne Landschaften, zum Beispiel an der Reuss oder am Hallwilersee. Der Aargau ist ein etwas unterschätzter Kanton.
Was würden Sie als alter Hase jungen Comedians raten?
Überall, wo sich eine Gelegenheit bietet, einen kleinen Auftritt machen. Wenn dann niemand lacht oder spätestens nach dem dritten Mal nicht einer kommt, der einem engagieren will, einfach zum Berufsberater gehen.
Video: Peach Weber – Da ist noch mehr (SRF-Doku zum 70. Geburtstag)

Von Elke Reinauer
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