«Der Oberthurgau hat für uns Priorität»

«Der Oberthurgau hat für uns Priorität»
Logo der glp Thurgau | © Archiv

Grossratswahl 2020: Die Parteien im Kulturcheck. Die Grünliberalen wollen Kulturschaffende stärker unterstützen. Das Geld im Lotteriefonds zu horten mache, keinen Sinn, findet Ueli Fisch, Kantonsrat und Vizepräsident seiner Partei. Er kandidiert am 15. März für den Regierungsrat. Ein neues Kunstmuseum sieht er eher im «urbanem Raum» als in der Kartause Ittingen. Aktuell haben die Grünliberalen 7 Sitze im Grossen Rat.

Herr Fisch, das Thema Kultur findet sich nicht in ihrem Wahlprogramm. Warum nicht?

Kultur gehört tatsächlich nicht zu unseren Kernthemen. Was aber nicht heisst, dass wir Kulturprojekten nicht positiv gegenüber stehen. Einige unserer Mitglieder engagieren sich auch kulturell. Aber die glp hat keine Grundsatzmeinung zur Kulturpolitik.

Welches sind die aus Ihrer Sicht wichtigsten Kultur-Projekte der neuen Legislatur?

Das steht sicher die Museumsstrategie im Vordergrund. Die Regierung sollte diese Strategie, welche im Kulturkonzept 2019-22 erarbeitet wurde, nun umsetzen. Bis jetzt kann man von dieser Strategie nicht wirklich etwas spüren.

Wo soll das Historische Museum Thurgau künftig beheimatet sein?

Eigentlich ist das die glp emotionslos als Partei. Hingegen gibt es auch bei uns Vertreter für den Standort Frauenfeld und solche für den Oberthurgau. Aus meiner Sicht als Fraktionspräsident sollten die Regionen gleich berücksichtigt werden, das heisst jede Region im Thurgau sollte einen Museumsstandort haben. Deshalb hätte der Standort Oberthurgau für das historische Museum Priorität.

Wie sieht Ihre Vision für das Kunstmuseum Thurgau aus?

Hier muss ein sauberes Projekt von der Regierung ausgearbeitet werden, damit das Volk entscheiden kann. Der Standort Kartause Ittingen ist für uns nicht gesetzt. Ein Kunstmuseum gehört eher in den urbanen Raum, das heisst in eine der Städte im Thurgau (Frauenfeld, Kreuzlingen, …)

«Der Standort Kartause Ittingen ist für uns nicht gesetzt. Ein Kunstmuseum gehört eher in den urbanen Raum.»

Ueli Fisch, Vizepräsident glp Thurgau  

Welche Schwerpunkte wollen Sie in den kommenden Jahren in der Kulturpolitik setzen?

Die Förderung von Kulturprojekten muss verstärkt werden. Es steht genügend Geld im Lotteriefonds zur Verfügung. Viele Kulturschaffende wären froh, wenn ihre Arbeit noch etwas mehr unterstützt werden würde. Das Geld im Lotteriefonds zu horten, macht absolut keinen Sinn.

Welchen Stellenwert räumen Sie der Kulturpolitik in Ihrer politischen Arbeit ein?

Wie erwähnt ist das kein Schwerpunktthema für die glp. Persönlich werde ich aber weiterhin ein Auge auf den Lotteriefonds (siehe Antwort zu Frage 3) haben.

Wie könnte die Thurgauer Kultur über die Kantonsgrenzen hinaus sichtbarer werden?

Da sind wir zu wenig kompetent. Dies müsste im Kulturkonzept der Regierung sichtbar werden. Wieso nicht eine Werbekampagne à la Standortmarketing Thurgau lancieren?

Kann Kultur ein Standortfaktor für den Thurgau sein?

Da bin ich eher skeptisch. Ich kann es aber zu wenig gut beurteilen, da ich die Kulturszene nicht gut genug kenne.

Werden Künstlerinnen und Künstler aus Ihrer Sicht heute angemessen entlohnt für ihre Arbeit? Falls nein: Wie wollen Sie das ändern?

Siehe Antwort zu Frage 3 (Lotteriefonds). Um auch der Frage 10 ein wenig vorzugreifen, könnte man auch einen Teil der TKB-Millionen dem Zweck „Kulturförderung“ zukommen lassen. Allerdings müssten dann ganz gezielt einzelne Projekte gefördert werden und kein Giesskannensystem angewendet werden.

Mit den 127 Millionen Franken aus dem TKB-Aktienverkauf würden wir…

…. gezielt einige wenige aber wirksame und nachhaltige Projekte mit Schwerpunkt Energie und Bildung sowie das Kulturgut Kloster Fischingen unterstützen und mit einem Kleinprojektefonds kleine Projekte fördern.

 

So antworteten die anderen Parteien auf die Fragen

SP Thurgau: «Wir wollen freien Eintritt in allen Museen ermöglichen»

Grüne Thurgau: «Das kantonale Kulturbudgets sollte erhöht werden»

SVP Thurgau: «Das Historische Museum sollte in den Oberthurgau»

EDU Thurgau: «Kultur ist keine Frage des Standorts»

FDP Thurgau: «Das Kunstmuseum soll ein Leuchtturm für den Thurgau sein»

EVP Thurgau: «Kunstmuseum soll in der Kartause bleiben»

 

Wen wählen? Eine Zusammenfassung und Analyse der Antworten finden Sie hier

 

CVP Thurgau und BDP Thurgau haben auf unsere Anfrage nicht reagiert.

 

Der Kulturcheck: Wir wollten im Hinblick auf die Kantonsratswahl am 15. März von den Fraktionen wissen, wie sie es mit der Kultur halten. Um ihre Haltung zu verschiedenen Themen abzufragen, haben wir einen Fragebogen entwickelt. In diesem stellten wir konkrete Fragen (beispielsweise zur Standortdebatte um das Historische Museum Thurgau), aber auch allgemeine Fragen zur Bedeutung von Kulturpolitik und der finanzielle Lage von Künstlerinnen und Künstlern. Zwei Wochen hatten alle Fraktionen Zeit, die Fragen zu beantworten.

 

Wir haben den Fraktionen überlassen, ob sie eine Fraktionsmeinung abgeben oder einzelne Kandidatinnen und Kandidaten zu Wort kommen lassen. Sieben der neun im Rat vertretenen Gruppierungen haben sich die Zeit genommen. Lediglich die CVP und die BDP antworteten trotz mehrfachen Nachfragens auf verschiedenen Kanälen nicht auf unsere Anfrage.

 

Die Wahl: Am Sonntag, 15. März, wird zum ersten Mal im Thurgau nicht nur der Grosse Rat neu gewählt, sondern auch die Mitglieder des Regierungsrats stehen zur Wahl. In unserem „Kulturcheck“ konzentrieren wir uns allerdings auf die Parlaments-Wahl.

 

Die Machtverhältnisse im Grossen Rat: Aktuell zählt der Grosse Rat 130 Mitglieder. Die Sitzverteilung lautet derzeit wie folgt. Die SVP hält 44 Sitze, CVP 20, FDP 20, SP 17, Grüne Partei 9, GLP 7, EVP 5, EDU 5 und BDP 3.

 

HTML Comment Box is loading comments...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kulturpolitik

Kommt vor in diesen Interessen

  • Interview
  • Politik

Werbung

Aktuelle Führungen

auf einen Blick!

Kulturakteure von A-Z:

jetzt auf dem Kulturplatz entdecken.

Ähnliche Beiträge

Kulturpolitik

«Die Kultur wird länger leiden als alle anderen»

Der Kultursektor ist seit dem Corona-Lockdown im Dauer-Krisenmodus. Wie kommt man da wieder raus? Und wie viele Kulturschaffende überleben das? Alex Meszmer von Suisseculture sucht nach Antworten. mehr

Kulturpolitik

Wege in die neue Normalität

Museen und Bibliotheken dürfen wohl ab 8. Juni wieder öffnen, Grossveranstaltungen bleiben mindestens bis Ende Juli verboten: Der Bundesrat will in kleinen Schritten das Kulturleben wieder hochfahren. mehr

Kulturpolitik

«Wir sind doch hier nicht in der Pampa!»

Arbon oder Frauenfeld? Wo wird das Historische Museum Thurgau künftig beheimatet sein? Im grossen Interview erklärt der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi, warum seine Stadt die bessere Wahl ist. mehr