von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 17.06.2019

Ein anderes Feuerwerk

Ein anderes Feuerwerk
Grosse Feuerwerke soll es in Konstanz künftig nicht mehr geben. Wir haben da eine Idee, was stattdessen zünden sollte. Das Bild stammt nicht aus Konstanz, es zeigt ein Feuerwerk beim Japan-Tag in Düsseldorf. | © Von Ruben Wisniewski - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2827702

Konstanz will künftig auf das bei Touristen beliebte Seenachtfest verzichten. In diesem Aus liegt aber auch eine grosse Chance: Für ein neues, gemeinsames und grenzüberschreitendes Festival für Konstanzer und Kreuzlinger.

Knapp zwei Wochen ist die Nachricht alt, dass die Stadt Konstanz auf das vor allem bei Touristen beliebte Seenachtfest künftig verzichten will. Zeit nochmal alles unaufgeregt anzuschauen. Also: Bis zu 50.000 Besucherinnen und Besucher kamen jedes Jahr am zweiten Augustwochenende in die grösste Stadt am Bodensee um das Fest mit seinem oft spektakulären Feuerwerk zu erleben. Eine so beliebte Marke aufzugeben, kann man durchaus abenteuerlich finden. Einerseits. Andererseits: Im Leben geht es ja nicht nur um Markenwerte und Marketing. Und eine Stadt, die den von ihr ausgerufenen Klima-Notstand wirklich ernst meint, die handelt letztlich nur konsequent, wenn sie ein Riesen-Event wie das Seenachtfest streicht. 

Statt also über das mögliche Aus (noch ist ja nichts definitiv beschlossen) zu jammern, könnte man auch darüber nachdenken, was dem Seenachtfest folgen könnte. Der amtierende Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) hat jedenfalls angeregt, dass man über eine kleinere Variante nachdenken könnte. Via Twitter hat er seine Follower sogar um Anregungen dazu gebeten. Wir haben da auch eine. Unsere These: In dem Aus des Seenachtfestes liegt eine grosse Chance für ein neues, grenzüberschreitendes Festival für Konstanzer und Kreuzlinger. 

Meinungsumfrage via Twitter: Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt will wissen, wie es nach einem möglichen Aus für das Seenachtfest weitergehen könnte. 

Gebt den Machern des Open See mehr Geld

Die Basis dafür ist ein Festival, das es schon seit vielen Jahren in Konstanz gibt: Das Open See Festival im Stadtgarten. Meistens um Pfingsten rum lädt der veranstaltende Verein des Kulturladen, dem Konstanzer Club für Live-Musik, ein Wochenende lang zu einem kleinen, aber feinen Festival am Ufer des Bodensees und mitten in der Stadt. Drei Dinge machen das Open See so charmant. Erstens: Die Lage. Zweitens: Es bietet Musikern und Bands aus der Region eine Plattform. Drittens: Für Besucher ist der Stadtgarten in den Festivaltagen ein sozialer Rückzugsort in der durchkommerzialisierten Konstanzer Stadtkulisse. Der Eintritt ist frei, wer will kann picknicken. Man muss hier nichts konsumieren, wenn man nicht will. 

Wenn es also einen Ersatz für das Seenachtfest geben soll, wäre es klug genau hier anzusetzen. Niemand muss viel Geld für die Entwicklung eines neuen Festivals ausgeben, wenn es ein so gutes Konzept bereits gibt. Deshalb unser Vorschlag an die Stadt Konstanz (und auch ein bisschen an die Stadt Kreuzlingen): Gebt den Machern des Open See mehr Geld als bislang, unterstützt sie in ihrem Bestreben, spannenden und ambitionierten Bands aus der Region eine Bühne zu bieten. Und verknüpft das mit der Auflage, die in diesem Jahr begonnene Kooperation mit dem Kreuzlinger Verein Kultling oder mit anderen klugen Veranstaltern aus der Grenzregion auszubauen. Neben dem inhaltlichen und programmatischen Gewinn wäre das auch eine politische Botschaft, die unsere zu Zersplitterung neigende Zeit gebrauchen kann: Mehr Miteinander als Gegeneinander!

Es geht nicht darum, das nächste Riesen-Event zu züchten

Und dabei muss es nicht bleiben. Ein solches Festival hätte auch Wachstumspotenzial. Dabei geht es nicht darum, das nächste Riesen-Event zu züchten, sondern ein Angebot clever zu entwickeln. Neben der Musik liessen sich beispielsweise im jährlichen Wechsel weitere Künste einbinden: Literatur! Bildende Kunst! Theater! Auch in diesen Sparten gibt es dies- und jenseits der Grenze spannende Künstlerinnen und Künstler. Oder eine andere Idee: Bei den grossen Buchmessen gibt es oft ein Gastland, das im Mittelpunkt steht. Warum nicht so etwas auf regionaler Ebene einrichten und beispielsweise wechselnde Gast-Institutionen präsentieren, die ein besonderes Programm bieten? Das Kunstmuseum Thurgau, die Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5, der Kunstraum Kreuzlingen oder die Kunsthalle Arbon, fallen einem da spontan ein. 

Das Potenzial für ein kulturelles Feuerwerk wäre also da. Wer braucht da schon noch ein paar Raketen am Himmel?

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