Seite vorlesen

von Judith Schuck, 14.08.2026

Festival «Im Rausch der Zeit» in Bürglen zeigt die kreative Kraft der Region

Festival «Im Rausch der Zeit» in Bürglen zeigt die kreative Kraft der Region
Leon Strasser ist Hauptorganisator des Festivals «Im Rausch der Zeit», bekommt aber freundschaftliche Hilfe bei der Durchsetzung seiner Ideen. | © Judith Schuck

Das neue Kulturfestival «Im Rausch der Zeit» in Bürglen möchte Kunst und Gemeinschaft feiern. Initiator und Organisator Leon Strasser lädt Ostschweizer Kulturschaffende und Besucher:innen ein, ein Bild unserer Zeit zu zeichnen. (Lesedauer: 3 Minuten)

Bürglen hat es in sich, was Kultur betrifft. Immerhin kommen gleich zwei der diesjährigen Empfänger:innen des kantonalen Förderbeitrags aus der Thurgemeinde: Tänzerin Jana Dünner und Drummer Dave Flütsch. Beide wirken auch ganz in der Nachbarschaft des Lokals von Kulturrausch, einem Verein für Kulturveranstaltungen in der Industriestrasse 6a auf dem Sun-Areal.  

 

Das Lokal von Kulturrausch in Bürlgen an der Industriestrasse 6a. Foto: Judith Schuck

 

Leon Strasser ist von Beruf Primarschullehrer in Dietikon, aber immer noch eng verbunden mit seinem Heimatort Bürglen und den kreativen Köpfen dort. Hin und wieder springt er bei Veranstaltungen von Kulturrausch als ehrenamtlicher Barkeeper oder Pizzaiolo ein, vor allem am letzten Freitag im Monat bei der offenen Bar.

Jetzt stellt er aber erstmals ein eigen organisiertes Festival auf die Beine: Am 22. August lädt er Kulturschaffende und Besuchende von mittags bis spät in die Nacht dazu ein, Kultur zu erleben und selbst daran teilzuhaben. „Ich organisiere gerne. Kunst und Kultur sind wichtige Bestandteile unserer Gesellschaft”, sagt er zu seinem Antrieb. Seit einem Jahr ist er dran, nun wird es immer fassbarer.

Gemeinsinn statt Geld

Der monetäre Aspekt soll beim Festival «Im Rausch der Zeit» einen möglichst kleinen Raum einnehmen. „Ich möchte etwas zum Wohle der Gemeinschaft auf die Beine stellen”, sagt er. Die Idee dazu kam ihm auf einer Südamerikareise, wo er in Schulen ein viel stärkeres gesellschaftliches Miteinander beobachtete. Egal ob Familie, junge oder ältere Menschen – «Im Rausch der Zeit» soll alle ansprechen und Kunst- und Kulturschaffenden aus der Ostschweiz gleichzeitig eine Plattform bieten, um ihr Talent und Wirken zu zeigen.

Sein Konzept beruht auf Freiwilligenarbeit. „In der heutigen Zeit ist es um so wichtiger, sich einzubringen, ohne dafür bezahlt zu werden“, findet Leon Strasser. Der Name dieses neuen Formats ist eine Anlehnung an den Verein Kulturrausch, in dessen Räumlichkeiten es stattfindet, sowie eine Hommage an die vorherige Nutzung durch das «Bildrausch-Studio», das im charmanten, grün gestrichenen Industriebau Filme drehte. «Im Rausch der Zeit» möchte aber auch widerspiegeln, in welcher Zeit wir uns befinden, dies mit unterschiedlichen Kunstformen, sagt Strasser.

„In der heutigen Zeit ist es um so wichtiger, sich einzubringen, ohne dafür bezahlt zu werden.“

Leon Strasser, Hauptorganisator des Festivals «Im Rausch der Zeit»

Eröffnet wird das Festival mittags um 13 Uhr mit einem Kleinkunstmarkt im Hofgelände. Künstler:innen aus der Region Ostschweiz präsentieren ihre Werke und bieten teilweise Workshops an. Darunter die Bürglerinnen Talina Walser mit Linol-Cuts oder Corinne Raschle, die Prints mit Lego-Bausteinen macht. Nico Huser ist ein Künstler aus St. Gallen, der alte Möbel restauriert und ist ebenfalls mit einem Stand vertreten. Nicole Schurrer ist eine Künstlerin aus Zürich. Sie kreiert aus alten Textilien neue Sachen unter ihrer Marke «Surri». Dimitri Florin Öchslin ist bildender Künstler aus Schaffhausen und stellt seine Werke beim Markt vor.

Kleine, aber auch grosse Schaffensfreudige können sich, vielleicht inspiriert von der ausgestellten Kunst, mit Strassenmalkreide austoben. Zudem wird es verschiedene Wände geben, auf denen gemeinschaftliche Werke entstehen dürfen.

Abtauchen mit Kurzfilmen

Alle, die dem Rausch ein wenig entfliehen möchten und die Ruhe suchen, finden diese in einem kleinen Nebengebäude, dem ehemaligen Jugend-Kafi, beim einer Kurzfilmausstellung. „Ich finde, Filme gehören zum Erhalt der Zeit, in der wir leben”, sagt Leon Strasser, darum war es ihm wichtig, dieses Medium auch mit aufzunehmen. Ab 16 Uhr beginnen Tanz-Shows und Performances von Jana Dünner und ihrer Kompanie Remi Demi, ebenfalls in Bürglen beheimatet, und die erste Kompanie, die eine Förderung für die Ko-Produktion Giant Steps von Kulturstiftung Thurgau und Phönix Theater erhalten hat. Die Profi-Tänzer:innen wechseln sich ab mit Talenten aus der Nachwuchsförderung der Musikschule Weinfelden. In den Pausen gibt´s DJ-Musik.

Die Live-Konzerte starten ab 20 Uhr dann im Lokal. Hier tritt die Band wenigeralsdrei aus Affeltrangen mit jazzigem Pop auf, gefolgt vom Mundartmusiker Karli aus Winterthur, der Solo und mit Band auf der Bühne stehen wird. Über Karli freue er sich besonders, sagt Leon Strasser, da dieser politische Inhalte anspricht und es schafft, Mundart mit Weltthemen zu verbinden. Nach den Bands gibt es noch bis in die Morgenstunden eine Afterparty.

 

Barfussbier bekommt Special-Etikette

Die Verpflegung stammt ebenfalls aus der direkten Umgebung, darunter das Bier von der Barfussbrauerei, das ein paar Meter weiter produziert wird und für «Im Rausch der Zeit» mit einem eigens kreierten Etikett versehen wird.

Das alles kann natürlich bei allem ehrenamtlichen Einsatz nicht umsonst sein. Vorverkaufskarten kosten 10 Franken, an der Tageskasse ist der Eintritt 15 Franken, dies aber vor allem, um die Besucher:innenzahlen zu regulieren, erklärt Leon Strasser. Obwohl er mit dem Festival die Freiwilligenarbeit feiern möchte, blieb die Geldbeschaffung dennoch die grösste Herausforderung. Die Gemeinde Bürglen, Thurgauer Stiftungen und Sponsoren seien ihm aber letztlich sehr entgegengekommen, sodass die Kosten gedeckt seien.

„Mir geht es nun nicht mehr drum, das genügend Leute kommen. Aber die, die kommen, sollen Freude haben.” Ob «Im Rausch der Zeit» eine Fortsetzung erfährt, wird sich noch weisen. „Wir wollen das Festival im Nachhinein analysieren und schauen, ob wir es weitergeführt wird.”

 

Im Sun-Areal in Bürglen ist Käse-, Bier- und Kulturproduktion eng beieinander. Foto: Judith Schuck.

 

 

Kommentare werden geladen...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Musik
  • Kunst

Werbung

Gesucht per Herbst 2026: Geschäftsführung 20-30%

Das GENERATIONS steht für aktuellen Jazz, internationale Vernetzung und die nachhaltige Förderung junger Musiker.

Ausschreibung «Freies Atelierstipendium»

Bewerbungsdauer: 1. Juli bis Mitte August 2026 über die digitale Gesuchsplattform der Kulturstiftung Thurgau.