von Claudia Koch, 06.11.2019

Heldenzeit

Heldenzeit
Das Ensemble freut sich auf die Aufführungen: (v. l.) Florian Steiner, Nadine Landert, Markus Keller, Erich Hufschmid, Nicole Steiner und Giuseppe Spina. | © Claudia Koch

Mit der irischen Komödie «Der Held der westlichen Welt» bringt die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld ein Stück auf die Bühne, das gleichsam lustig wie auch tiefgründig sein will.

Das neue Theaterstück der Theaterwerkstatt Gleis 5 ist ein Stück voller Neuheiten. Noch nie standen so viele Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne, 12 Stück an der Zahl. Und mit 12 Vorstellungen geht die Theaterwerkstatt ebenfalls weit über ihre bisherigen Aufführungen hinaus. «Wir wollen uns breit machen und mehr Leute wie sonst ansprechen», begründet Giuseppe Spina, Mitglied der Theaterwerkstatt. Spina hat mehrere Funktionen inne: Er ist Produktionsleiter, Schauspieler und Musiker.

Die Komödie des irischen Autors John Millington Synge aus dem frühen 20. Jahrhundert wird mit irischer Volksmusik untermalt. Da trifft es sich gut, dass Spina seit 20 Jahren in der irischen Band «A little Green» spielt und deshalb selbst die Gitarre in die Hand nimmt. Spina könnte sich gut vorstellen, dass auch Leute der Musik wegen ins Theater gelockt werden. Die Kulissen, einem irischen Pub nachempfunden, werden direkt vor Ort hergestellt. «Das Ganze ist ein Testballon für die Zukunft und soll Möglichkeiten aufzeigen, wie die Theaterwerkstatt als kleines Theater weiter bestehen kann», erklärt Spina.

Regisseur Fabian Alder (l.) und Schauspieler Erich Hufschmid. Er spielt den Vater des Helden. Bild: Claudia Koch

Unerwartete Wendungen

Das Stück «Der Held der westlichen Welt» spielt also in einem Pub, in der irischen Provinz Mayo. Ein junger Mann taucht eines Abends auf und erzählt von seiner Flucht, da er seinen tyrannischen Vater erschlagen hat. Statt Empörung erntet der junge Mann Bewunderung und wird als Held gefeiert. Es gilt jedoch, einige unerwartete Wendungen zu meistern, die nicht nur den vermeintlichen Helden, sondern auch die Dorfbewohner in Aufruhr bringen.

Trotz der eigentlich dramatischen Ausgangslage beschreibt Regisseur Fabian Alder das Stück als sehr süffig, lustig und komödiantisch. Er kennt das Stück schon länger und besonders die deutsche Übersetzung, die dialektisch nah am Original ist, hat es ihm angetan. «Es handelt sich um eine Verwechslungsgeschichte, eine Boulevardkomödie, deren Figuren jedoch mit Sorgen wie auch Ängsten zu kämpfen haben und damit eine gewisse Tiefe aufweisen», so Alder. Ein weiteres Thema ist der Umgang mit dem Fremden, das von der Dorfbevölkerung überhöht wird und somit Bewunderung wie auch Furcht auslöst.

Florian Steiner als Held macht Bekanntschaft mit der Witwe, gespielt von Nicole Steiner. Bild: Claudia Koch

Vielschichtige Figuren

Voll des Lobes und motiviert zeigen sich auch die Schauspielerinnen und Schauspieler. Da ist der Protagonist, gespielt von Florian Steiner, der für seine blutige Tat gefeiert wird und so eine Möglichkeit für ein neues Leben sieht. «Es hat ganz quere Sachen drin, aber auch tragische Elemente. Die Figuren sind teilweise recht abgründig. Alles hat Platz in dieser Komödie», sagt Steiner. Erich Hufschmid als tyrannischer Vater bedient sich einer Holzhackersprache. Die Rolle sei deshalb anspruchsvoll zu spielen. Hufschmid sagt dazu: «Mir gefällt die Vielschichtigkeit der Figuren.»

Eine einsame Figur ist der Wirt, viel unterwegs und meist betrunken, verkörpert durch Markus Keller. Im Pub vertreten wird er von seiner Tochter, gespielt von Nadine Landert, die als junge Frau in einer Männerwelt die Hoffnung im Stück aufleben lässt und Träume von Grösserem hegt.

Die einzige Skeptikerin gegenüber dem Fremden, dem Helden, ist Nicole Steiner als Witwe, die als Projektionsfläche für alles Schlechte im Dorf gilt. Deshalb hat die Witwe eine Mauer um sich gebaut. «Die Gesellschaft zwängt jemanden in eine Rolle, die von der Person wohl oder übel übernommen wird», sagt Nicole Steiner.

Die irische Musik wird live gespielt: Florian Steiner (l.) und Giuseppe Spina bei der Probe. Bild: Claudia Koch

Irische Live-Musik

Spina schätzt an der Geschichte besonders, dass sie ohne Moral oder warnendem Zeigefinger auskommt. Es werden zwar Themen wie die Unterdrückung durch England oder der Religionsstreit angetönt, aber nicht in den Mittelpunkt gerückt. Regisseur Alder doppelt nach: «Die Geschichte geht über die Zeit hinaus und passt deshalb auch in die heutige Zeit.»

Bis zur Aufführung wird die kleinräumige Bühne stetig angepasst. Darauf gibt es mehrere Ebenen, damit die vielen Akteure Platz finden. Die irische Musik dazu wird live gespielt. Auch hier kommt die Vielfältigkeit des Bühnenaufbaus zum Zuge: Aus den verschiedensten Winkeln soll facettenreiche Musik erklingen, die laut Spina eine zentrale Rolle übernimmt. Sei es als Leitmotiv einer Figur oder als Stimme im Kopf.

Aufführungstermine und Kartenvorverkauf

Premiere ist am Freitag, 15. November, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 16., 17., 22., 23., 24., 29. und 30. November, 1., 6., 7. und 8. Dezember, Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr, Sonntag um 17 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld. Weitere Informationen und Kartenvorverkauf: www.theaterwerkstatt.ch.

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