«Salzburger Stier» für Lara Stoll

«Salzburger Stier» für Lara Stoll
Hat gut lachen: Die Kabarettistin Lara Stoll. 2021 erhält sie den renommierten Kleinkunstpreis "Salzburger Stier" | © Jonas Reolon

Schonungslos und fantasievoll: Die im Thurgau aufgewachsene Slam Poetin und Kabarettistin räumt einen weiteren renommierten Preis ab.

Was für ein grosser Erfolg: Lara Stoll ist gerade mal 33 Jahre alt und hat schon jetzt so gut wie alle renommierten Preise der Kleinkunst- und Kabarettszene bekommen. Mit dem nun verliehenen Salzburger Stier dürfte Stoll, die in Kreuzlingen zur Schule ging, endgültig im Olymp ihrer Zunft angekommen sein. Sie selbst freute sich auf Instagram so: „Ich fühle mich am Bauch gekrault und ausgesprochen geehrt, dass ich ab jetzt die Stierhörner tragen darf.“

Die Preisverleihung findet am 8. Mai 2021 im „Tollhaus“ in Karlsruhe statt. Die Auszeichnung ist jeweils mit 6000 Euro dotiert. Sie wird von einer Jury aus FachredakteurInnen der Unterhaltungsredaktionen von ARD, SRF und ORF vergeben. Jedes Land vergibt einen eigenen Preis.

In ihrer Begründung schreibt die Jury: „Lara Stoll gilt als die Punkerin der Schweizer Poetry-Slam-Szene. Diesen Ruf geniesst sie, weil sie es liebt, auf der Bühne laut und anarchistisch zu sein. Ihre Texte sind oft ein einziges, kunstvoll gebautes Crescendo. Doch dann, plötzlich und unerwartet, zeigt die Exzentrikerin ihre Zerbrechlichkeit. Diese spannungsvolle Mischung macht die junge Ostschweizerin zu einer unverwechselbaren Figur auf den deutschsprachigen Bühnen. Dass sie neben ihren Bühnen-Programmen auch mit Filmen und Musik von sich reden macht, rundet das Bild dieser vielfach begabten Künstlerin ab, die mit dem Salzburger Stier 2021 ausgezeichnet wird.“

Reinhören: Lara Stolls "Nicht-Schlaf-Protokoll"

Schräge Blödeleien und kindliche Freude

Schonungslos setze sie dem Publikum vor, was ihre schräge Fantasie ihr zuträgt: „Ihre Geschichten beginnen oft im Alltäglichen, Privaten und Banalen. Sie wartet vergeblich auf den Pizza-Lieferdienst oder kämpft mit dem Staubsauger, der nicht mehr in den Schrank passen will. Alles keine Tragödien, eigentlich, doch dann nimmt Lara Stolls Performance Fahrt auf, sie beginnt zu zetern, zu schäumen und zu poltern und schon driften ihre Alltagsgeschichten ab ins Apokalyptische oder werden einfach nur wunderbar grotesk.

Auf dem Höhepunkt der Eskalation hilft oft der Griff zur Gitarre oder zu irgendeinem absurden Requisit. An diesen schrägen Blödeleien hat Lara Stoll eine ungeniert kindliche Freude – schliesslich weiss sie genau, wann der Moment da ist, um wieder ernst zu werden“, so die Jury des Salzburger Stiers.

Neben Lara Stoll, die den Preis für die Schweiz erhält, wurden auch Stand-Up-Künstler, Bühnenliterat und Kabarettist Moritz Neumeier (Deutschland) und der Kabarettist und Schauspieler Thomas Stipsits (Österreich) ausgezeichnet. Mehr zu allen PreisträgerInnen gibt es hier.

Video: Büchseninterview mit Lara Stoll (2019)

Das ist Lara Stoll

Lara Stoll wurde 1987 in Schaffhausen geboren und wuchs im Thurgau auf. Schon früh zog es sie auf die Bühne und so wurde sie 2006 Poetry-Slam-Schweizermeisterin in der Kategorie U20. Im gleichen Jahr bestätigte sie diesen Erfolg mit dem Gewinn der Deutschsprachigen Meisterschaft in derselben Kategorie.

 

Doch damit begann er erst, der unaufhaltsame Aufstieg der Lara Stoll: 2010 gewann sie die Slam-Poetry-Schweizermeisterschaft. Und ebenfalls 2010 entschied sie mit dem Text „Weshalb ich manchmal gerne ein John Deere Traktor 7810 wäre!“ die ersten Slam-Europameisterschaften im französischen Reims für sich. 2011 bekam Stoll auch den Thurgauer Kulturpreis verliehen.

 

Von 2011 - 2015 absolvierte sie ein Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste. Mit dem Kollektiv „Bild mit Ton“ produziert sie seit 2013 experimentelle Videos und Kinofilme wie beispielsweise „Das Höllentor von Zürich“. 2015 gründetet sie die Punkband „Pfffff“, aus der später das Synth-Pop-Techno Projekt „Stefanie Stauffacher“ entstand. Aktuell spielt Lara Stoll in der TV-Krimi-Komödie „Advent, Advent!“ eine Hauptrolle.

 

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