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von Inka Grabowsky, 15.12.2025

Alle für eine

Alle für eine
Eine Kulturamtsleiterin mit grossen Privatvermögen und Geltungssucht: Davon träumen Kulturschaffende. (Carina Rieder in lila in der Mitte) | © Inka Grabowsky

Musketiere an der Kadettenschule: Florian Rexers Wintertheater verbindet Mantel-und-Degen-Romantik mit Highschool-Musical. Frauen fechten um Anerkennung – auf der Bühne und hinter den Kulissen. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Ein «En garde» reicht, und schon ist man in der Welt von Porthos, Aramis und Athos. Diesmal allerdings befinden sie sich an einer Kadettenschule und wollen als Fechtlehrer jungen Leuten Disziplin beibringen. D'Artagnan stösst als neuer Schüler dazu.

Damit kombiniert Florian Rexer die Mantel- und Degen-Romanze mit Motiven aus einem typischen Highschool-Musical: Ein Neuankömmling versucht, sich in eine Gruppe zu integrieren, was durch Intrigen und Missverständnisse erschwert wird.

 

Sofia Müller (links) und – bei der Premiere – Sara Fischer spielen sowohl im Musketier-Stück als auch in der Rahmenhandlung Gegnerinnen, die Freundinnen werden. Bild: Inka Grabowsky

Frauen als Kämpferinnen

Dass der Neuling d'Artagnan von einer Frau verkörpert wird (Sofia Müller), bereichert die Aktualisierung. Ihre Gegenspielerin, die sie als beste Kämpferin der Kadettenschule ablöst, wird abwechselnd von den Amateurinnen Sara Fischer und Maja Karrer verkörpert.

Im Leben der Musketier-Anwärterinnen spiegeln sich Sorgen, die alle Menschen kennen: Der Wunsch nach Anerkennung, enttäuschte Erwartungen, sich zurückgesetzt fühlen. Im Stück, das Dramaturg Stefan Gritsch auf Basis von Florian Rexers Idee geschrieben hat, führt das zu fatalen Fehlern, die von Bösewichtern ausgenutzt werden.

Apropos: Kardinal Richelieu wird von Mischa Löwenberg als Parodie auf einen eitlen Intriganten angelegt. Ebenso spielt Fynn Lanter seinen König Ludwig XIII. als überzeichneten Hedonisten. Das mündet im Auftritt als Popstar.

 

«Hier kommt Louis», ruft Ludwig XIII. (Fynn Lanter) seinen Fans bei seiner Tanzperformance zu. Bild: Inka Grabowsky

Das Stück im Stück

Gerade wenn man als Zuschauer anfängt, sich am Schmierentheater zu stören, erfolgt der Bruch: Eine Regisseurin (gespielt von Anja Brühlmann) stürmt auf die Bühne und bricht die Theaterprobe ab, in der man sich offenbar gerade befunden hat.

Ein «Kurze Pause» genügt, und schon ist man in der Welt eines Schauspiel-Ensembles, in der junge Leute nicht mehr Musketier im Dienst des Königs werden wollen, sondern Hauptrollen ergattern möchten. Duelle werden durch Castings ersetzt. Die ablaufenden Mechanismen sind die gleichen.

 

Szene aus der aktuellen Musketier-Produktion von Florian Rexer. Bild: Inka Grabowsky

Begeisterung steckt an, findet der Regierungsratspräsident

Ganz ohne Charge kommt auch die zweite Handlungsebene nicht aus. Carina Rieder spielt eine Kulturamtsleiterin mit Geltungsbedarf, die das Theaterstück schliesslich in klassischer «Deus Ex Machina»-Manier vor dem finanziellen Ruin rettet. Ihr Song «Kulturamtsleiterin» klingt als Ohrwurm lange nach.

«Sie ist eine Karikatur», sagt Regierungsratspräsident Dominik Diezi, der die gezeigte Übertreibung von Politiker-Verhalten deshalb nicht krummnimmt. Stattdessen lobt er: «Die Begeisterung auf der Bühne ist ansteckend. Und es ist grossartig, dass so viele junge Leute mit Engagement theaterspielen.»

 

Drei Musketiere und ein Musketier-Anwärter (von links: Mila Schiller, Stefan Gritsch, Sofia Müller und Lion Weidner) vor den verschiebbaren Kulissen. Bild: Inka Grabowsky

Ein mobiles Bühnenbild für die Thurgau-Tournee

Regisseur Rexer hatte seinem Produktionsleiter Andreas Müller (der auch als betrunkener Angreifer und überaus formeller Zeremonienmeister auf der Bühne steht) zu Beginn des Projekts eine Wunschliste diktiert: Er brauchte für die Inszenierung seiner Idee neben der nackten Bühne eine dunkle Strasse, einen Schlafsaal, einen Thronsaal und ein Gefängnis. Müller liess daraufhin beim Theater-Sponsor Ruba in Hüttwilen sechs Kulissenelemente fertigen.

Nun schiebt man je nach Bedarf Gitterstäbe, Laternen oder Bettgestelle seitlich auf die Bühne. «Ein grosser Lastwagen reicht, um alles zu unseren anderen Auftrittsorten zu transportieren», sagt Andreas Müller. «Und auch dafür haben wir mit Munz einen Unterstützer. Es braucht eben viele Hände, um ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen.» Das ist es wieder, das altbekannte Motto: «Alle für einen».

 

Rund dreissig Mitwirkende geniessen im Kulturforum Amriswil den Premieren-Applaus von «Die drei Musketiere». Bild: Inka Grabowsky

Tickets und weitere Aufführungen in Frauenfeld, Weinfelden und Sirnach

Tickets für 39 bis 49 Franken inklusive Ostwind-Billett unter dieser Adresse.

 

Weitere Aufführungen: 

Amriswil im Kulturforum, jeweils um 20 Uhr: 

27./28./ 29. Dezember 2025

 

Frauenfeld, im Eisenwerk, jeweils um 20 Uhr 

23./24./25. Januar 2026

 

Weinfelden im Traubensaal, jeweils um 20 Uhr

20./21./22. Februar 2026

 

Sirnach im Dreitannensaal um 20 Uhr:

20./21. März 2026. Am 22. März Dernière um 15 Uhr. 

 

 

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