von Bettina Schnerr, 16.04.2021

Apfel ist doch nicht gleich Apfel!

Apfel ist doch nicht gleich Apfel!
Schöner Boskoop, Idared, Danziger Kantapfel oder Bohnapfel: Könnten Sie sich für ein Lieblingsmodell entscheiden? | © Bettina Schnerr

#Lieblingsstücke, Teil 11: Im MoMö, dem Mosterei- und Brennereimuseum in Arbon, wird der Weg vom Apfel zum Saft erklärt. Und genau der Apfel ist’s, an den unsere Autorin ihr Herz verloren hat. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Wo sonst kann man vergleichbar gut hinter die Kulissen eines laufenden Betriebs gucken wie beim MoMö? Nur wenige Firmen zeigen Besuchern aus der Nähe, wie ihre Produkte entstehen. Kombiniert mit einem Museum, das die historischen Vorläufer der Saft- und Brennereitätigkeit im Kanton aufarbeitet, gewinne ich einen runden Einblick auf einen ganzen Wirtschaftszweig. Einen, der den Kanton doch sehr geprägt hat.

Viele Exponate im Museumsraum sind wahrhaft beeindruckend. Die Kolonnentürme für die Destillation zum Beispiel oder alte Pressen in Waschzubergrösse. Nicht wegzukriegen waren die Kinder von den Elementen und Spielen im Erdgeschoss, die den ganzen Prozess interaktiv erklären. Und die Kinder wiederum kriegten ihre Mutter im Obergeschoss nicht weg von ein paar Äpfeln. Was ist daran in einem Apfelsaftmuseum bloss so besonders?

Die Apfelgalerie – sind die echt oder nicht?

Die Mosterei Möhl bekommt für ihre Säfte und Destillate weitaus mehr verschiedene Apfelsorten angeliefert, als wir sie aus dem Supermarkt kennen. Zwischen 50 und 70 Sorten sind es (ein paar Birnen mit dazu), einige davon wirklich alt. Gerade diese alten kommen in Kleinstmengen, weil oft nicht mehr viele Bäume der jeweiligen Sorte stehen.

Etwas mehr als zwei Dutzend Apfelsorten präsentiert MoMö im Obergeschoss als faszinierend schöne Nachbildungen aus Papiermaché. Gefertigt wurden sie in aufwändiger Handarbeit in Coburg, geformt und naturgetreu bemalt in einer Perfektion, dass sie unter Glas liegen. Sonst würde sie jeder anfassen und schauen, ob sie nicht doch echt sind. Ich inklusive.

Mehr als zwei Dutzend verschiedene Apfelsorten, die im Thurgau angebaut werden, zeigt das MoMö in seiner Ausstellung. Es ist nur ein Bruchteil der Vielfalt, die in heimischen Säften landet. Bild: Bettina Schnerr

Historische Sorten am Leben halten

Die Biodiversität, die gerade in aller Munde ist, spielt im Obstanbau eigentlich eine wichtige Rolle und die Konzentration auf wenige supermarkttaugliche Züchtungen ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Selbst, wenn die Präsentation nicht alle Sorten abdeckt, die im Thurgau wachsen, erinnert sie mich dank ihrer bewussten Auswahl daran. Nicht wenige davon gehören inzwischen zu den 4700 ProSpecieRara-Sorten, die in der Schweiz gerettet werden sollen.

Als Lebensmittelproduzent versucht die Mosterei Möhl, die hinter dem MoMö steckt, ihren Beitrag zu leisten. Wer alte Sorten hat, für den soll es sich lohnen, sie zu behalten. Interessant sind alte Sorten oft nämlich nicht nur für Allergiker, die sie oft viel besser vertragen. Interessant sind sie auch wegen ihres Aromas.

Für Säfte langen die Mengen nicht, aber für sortenreine Cider oder Obstbrände lohnt es definitiv. Die selten gewordenen Sorten heissen zum Beispiel Glockenapfel, Roter Boskoop oder Tobiässler. Den kennt man seit über 200 Jahren im Thurgau. Mehr als 800 Jahre bekannt ist die Goldparmäne. Wäre wirklich schade um sie, denn die Papieräpfel sehen zwar grandios aus, aber essen kann man sie eben nicht.

Ein Blick auf den Heimenhofer verrät die unglaubliche Detailtreue der Apfelmodelle. Bild: Bettina Schnerr

 

 

Die Serie #Lieblingsstücke und wie Du mitmachen kannst

In unserer neuen Serie #Lieblingsstücke schreiben Thurgaukultur-KorrespondentInnen über besondere Kunstwerke im Kanton. Das ist der Start für ein grosses Archiv der beliebtesten Kulturschätze im Thurgau. Denn: Wir wollen auch wissen, welches ist Dein Lieblings-Kunststück aus der Region?

 

Skulpturen, Gemälde, historische oder technische Exponate, Installationen, Romane, Filme, Theaterstücke, Musik, Fotografie - diese #Lieblingsstücke können ganz verschiedene Formen annehmen. Einige der vorgestellten Werke stehen im öffentlichen Raum, manche sind in Museen zu finden, andere wiederum sind vielleicht nur digital erlebbar. Die Serie soll bewusst offen sein und möglichst viel Vielfalt zulassen.

 

Schickt uns eure Texte (maximal 3000 Zeichen), Fotos, Audiodateien oder auch Videos von euch mit euren Lieblingswerken und erzählt uns, was dieses Werk für euch zum #Lieblingsstück macht. Kleinere Dateien gerne per Mail an redaktion@thurgaukultur.ch, bei grösseren Dateien empfehlen wir Transport via WeTransfer.

 

Oder ihr schreibt einen Kommentar am Ende dieses Textes oder zum entsprechenden Post auf unserer Facebook-Seite. Ganz wie ihr mögt: Unsere Kanäle sind offen für euch!

 

Alle Beiträge sammeln wir und veröffentlichen wir sukzessive im Rahmen der Serie. Sie werden dann gebündelt im Themendossier #lieblingsstücke zu finden sein.

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