von Michael Lünstroth・Redaktionsleiter, 08.05.2026
Wegweiser in der Ostschweizer Kulturlandschaft

Wie schafft man Sichtbarkeit für Kultur in unübersichtlichen Zeiten? In dem man Veranstalter:innen und Kulturschaffenden die Verbreitung ihrer Termine so einfach wie möglich macht und Menschen so leichteren Zugang zu Kultur verschafft. Genau das leistet das Kalenderprojekt „Minasa“ von Saiten und thurgaukultur. Jetzt noch nutzerfreundlicher und grenzüberschreitender. (Lesedauer: ca. 4 Minuten)
Jedes Problem hat mindestens zwei Seiten und bei diesem hier lauten sie so: Als kulturinteressiertem Menschen fehlt einem heute oft die Übersicht, um in der Vielfalt des Kulturangebots, die spannendsten Veranstaltungen für die eigene Freizeitgestaltung zu finden. Als Veranstalter:in wünscht man sich maximale Verbreitung der eigenen Termine. Um das zu erreichen, muss man bislang allerdings oft mehrere Veranstaltungskalender befüllen. Das kostet Zeit und oft auch Nerven.
Wäre es da nicht eine gute Idee, den Wunsch nach Übersicht und Orientierung beim Publikum mit der Sehnsucht der Veranstalter:innen auf einfache und effiziente Verbreitung ihrer Daten zu verknüpfen? Genau das ist der Kerngedanke des Kalenderprojekts „Minasa“ (arabisch für Plattform). Es wurde gemeinsam von Saiten und thurgaukultur entwickelt und will zeigen, wie Digitalisierung Kulturarbeit einfacher, sichtbarer und wirksamer machen kann.
Ein Ziel: Veranstaltungsdaten frei zugänglich machen
Das Motto bei Minasa lautet: Einmal eintragen, an möglichst vielen Orten sichtbar sein. Veranstalter:innen geben ihre Events nur einmal ein – die Software sorgt dafür, dass sie auf Medienplattformen, Apps und in öffentliche Kalender ausgespielt werden können. Der Open-Data-Gedanke ist prägend für die Idee: Daten sollen frei zugänglich gemacht werden, damit sie von jedem ohne Einschränkungen genutzt, weiterverarbeitet und weiterverbreitet werden dürfen.
Ein Montag Ende April. Sarah Lüthy und Philip Stuber sitzen auf einem roten Sofa in Bottighofen. Seit Jahren arbeiten die Thurgaukultur-Geschäftsführerin und der Saiten-Verlags-Co-Chef gemeinsam an ihrer Mission Kulturschaffen sichtbarer zu machen. „Mit Minasa leisten wir vor allem zwei Dinge: die Veranstalter:innen erhalten Zugang zu einem Netzwerk und unsere Nutzer:innen profitieren vom kostenlosen Service public, der einen Überblick über das Kulturleben in der Ostschweiz verschafft“, sagt Stuber.
„Die Überarbeitung des Admin-Portals hat sich für die Veranstaltenden gelohnt! Die Erfassung von wöchentlich vier bis zehn verschiedenen Filmen mit 16 bis 24 Vorstellungen ist mit der mittlerweile sehr durchdachten und einfach zu handhabenden Eingabemaske in kürzester Zeit machbar.“
Christof Stillhard, Programmverantwortlicher Cinema Luna, Frauenfeld
Einfache Lösung: Relevante Daten mittels Widget auf der eigenen Website einbauen
In den vergangenen Monaten haben sie die Möglichkeiten von Minasa erweitert. In den grossen Datentopf fliessen über eine Direktanbindung jetzt beispielsweise auch alle Veranstaltungen des Konzert und Theater St. Gallen zur Agenda von thurgaukultur.ch. Dem Theater nimmt das Arbeit ab, den Leser:innen von thurgaukultur.ch bietet das Zugang zu den Angeboten des Theaters in einem Umfeld von anderen Veranstaltungen. Sie können besser auswählen und abwägen als wenn sie nur auf eine bestimmte Website eines Veranstalters gehen.
Neu ist auch - Verbände, Vereine, Kulturzentren und sonstige Veranstalter können den Veranstaltungskalender von Minasa jetzt über ein Widget in ihre eigene Website einbauen. Das erspart einerseits Entwicklungskosten für eigene Modelle und bietet gleichzeitig Zugang zu allen für die jeweilige Institution interessante Veranstaltungsdaten. „Veranstalter:innen können eine gefilterte Auswahl beziehen und profitieren so vom Netzwerk, das Minasa aufgebaut hat“, erklärt Sarah Lüthy. Wie das aussehen kann, zeigt das Pilotprojekt „appenzellkulturell“.
Die Kosten für den Einbau eines solchen Widgets seien moderat, erklärt Sarah Lüthy: „Wir bieten ein gestaffeltes Pricing. Es soll für jeden zugänglich sein, aber jeder muss einen Beitrag leisten, damit wir das gesamte System erhalten und fortentwickeln können“, sagt die thurgaukultur-Geschäftsleiterin.
«Minasa ist für uns als Museum die professionelle Lösung, um unsere Angebote in der Ostschweiz zentral auf den wichtigsten Plattformen zu präsentieren. Fällt die Vernetzung mit dem Kanton St. Gallen künftig weg, wäre das ein Rückschritt: Inhalte müssten wieder mehrfach auf verschiedenen Plattformen erfasst werden. Angesichts knapper werdender personeller Ressourcen im Kulturbereich stellt sich für uns die Frage, ob sich dieser Aufwand überhaupt noch lohnt.»
Mirjam Wanner, Leiterin Besucherdienste, Administration und Öffentlichkeitsarbeit, Naturmuseum Thurgau
Was Nutzer:innen über Minasa sagen
Was Minasa für Kulturinstitutionen bedeutet, das kann Karin Gubler sehr gut erläutern. Sie ist im Vorstand des Frauenfelder „Kultur im Eisenwerk“ und arbeitet regelmässig mit der Datenplattform. Minasa biete eine echte Alternative zu kommerziellen Anbieter:innen, findet sie. Der Nutzen für Kulturveranstalter:innen liege auf der Hand: „Wir sparen durch dieses Tool Zeit und erreichen trotz begrenztem Budget eine hohe Sichtbarkeit in der Region.“
Auch die grenzüberschreitende Förderorganisation „ThurKultur“ bezieht inzwischen Daten von Minasa für seine eigene Website. Für Manuela Schöb, die Leiterin der Geschäftsstelle bei ThurKultur, hat sich das bewährt. „Minasa schafft Leichtigkeit im Alltag, indem sie die Pflege von Informationen vereinfacht und gleichzeitig für eine stärkere, klarere Wirkung nach aussen sorgt.“ Für sie besonders wichtig - „die praxisnahe und benutzerfreundliche Ausrichtung“, so Schöb. Dies mache Minasa „zu einer echten Unterstützung im Kulturbereich“.

Die Minasa-Infrastruktur ermöglicht die Sichtbarkeit und Weiterleitung von Veranstaltungsterminen in der Ostschweiz – und auch darüber hinaus. Veranstaltende in der Ostschweiz können die Minasa-Services einfach und kostenlos nutzen und damit viel Zeit sparen.
Wie das geht?
1) Als Erstes registrieren sich Veranstaltende, Institutionen und Kulturschaffende auf dem Minasa-CMS von Saiten oder thurgaukultur.ch. Im Thurgau beheimatete Kulturschaffende geben ihre Termine auf thurgaukultur.ch ein. Alle anderen auf Saiten.
2) Die erfassten und redigierten Einträge werden automatisch an den Minasa-Datenhub weitergeleitet - dies kostenlos und nach Open Data-Grundsätzen.
3) Der Minasa-Datenhub stellt die Daten den wichtigsten Event-Plattformen der Schweiz, wie auch regionalen Plattformen zur Verfügung. Zudem bezieht Minasa ausgewählte Daten von Partnerplattformen.
4) Neu können die vorhandenen Veranstaltungs-Daten einfach und kostengünstig via Widget in eine bestehende Webseite integriert werden. Dies ermöglicht eine weitere Verbreitung und Sichtbarkeit des kulturellen Angebots und bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten z.B. für Verbände, Sparten-Angebote, Kulturpools, Kulturzentren, Städte, Tourismus etc. Wie das aussehen kann, zeigt Appenzell Kulturell
Wertschöpfung
Für Veranstaltende
Mit Hilfe der Minasa-Infrastruktur und Services erhalten Veranstaltende mit einem einzigen Eintrag kostenlos eine optimale Verbreitung ihres Angebots in der Ostschweiz und auf den wichtigsten nationalen Plattformen.
Für Datenbeziehende
Regionale Plattformen, Apps, Medien und weitere Datenbezügerinnen können redigierte und qualitativ gute Daten beziehen.
Kooperation und Teilhabe sind zentrale Gedanken
Selbst für einen grossen Player wie das Theater St. Gallen hat Minasa eine Bedeutung. Trotz eigener Website und Social-Media-Kanäle ist die Präsenz des Theaters in einem gut sortierten Veranstaltungskalender für das St. Galler Haus wichtig. Susi Reinhardt, Leiterin des Marketing bei Konzert und Theater St. Gallen, erläutert wieso: „Minasa unterstützt unseren Auftrag, Kultur für möglichst viele Menschen niederschwellig zugänglich zu machen. Mit sehr wenig Zusatzaufwand und Mehrkosten wird unsere digitale Präsenz deutlich gestärkt.“
Dass mit Minasa Kooperation und Teilhabe ermöglicht werde, sei eine der grössten Leistungen von Minasa, findet Philip Stuber: „Kantone, Medien und Kulturakteur:innen werden miteinander vernetzt, Veranstaltungen bekommen eine grössere Bühne und Menschen leichter Zugang zu Kultur.“
Dazu komme, dass die Idee, die hinter Minasa stehe, nachhaltig und skalierbar sei: „Die Infrastruktur ist nicht auf einen Kanton oder eine Plattform beschränkt. Sie kann wachsen, neue Partner aufnehmen und die digitale Kulturvermittlung langfristig verbessern“, zeigt sich Stuber überzeugt.
«Minasa stärkt die direkte Nähe zu unseren lokalen Veranstaltern, indem es durch eine schweizweit einmalig dichte Vernetzung mühsame Doppelerfassungen reduziert und unsere internen Prozesse damit entlastet. Für St.Gallen-Bodensee Tourismus bedeutet dies, dass wir das gesamte Veranstaltungsangebot über die Destinationsgrenzen hinaus effizient sichtbar machen und unsere Region als vielseitiges Ferien- und Freizeitziel positionieren können.»
Rafael Enzler, Präsident St.Gallen-Bodensee Tourismus
Wie geht’s weiter nach der Ablehnung im Kantonsrat St. Gallen?
Wachstum sehen die beiden Projektverantwortlichen als wesentlich für die Entwicklung von Minasa. „Wir sind bereit unser Wissen zu teilen, Wachstum wird der Schlüssel sein, um die Idee tragfähig für die Zukunft zu machen“, sagt der Saiten-Verlags-Co-Chef.
Wie es mit Minasa weitergeht, hängt aber auch an der Politik. Im vergangenen Jahr war ein Gesuch des Vereins „Saiten“ über 195’000 Franken für die nächsten drei Jahre an den St. Galler Lotteriefonds im Kantonsrat am Veto von bürgerlichen Parteien gescheitert. Als Reaktion darauf hat der Verein „Saiten“ das Gesucht überarbeitet. Es wird im Juni nun erneut im Kantonsrat beraten.
Warum es ohne öffentliche Gelder nicht geht
Klar ist für Philip Stuber und Sarah Lüthy schon jetzt: Ohne öffentliche Gelder sei das Vorhaben nicht möglich, der Aufbau des Netzwerks sei eben kein Geschäftsmodell, sondern ein „Service public“. Eine zeitgemässe Kalenderdatenbank, welche die Bedürfnisse der Nutzer:innen und Veranstaltenden ins Zentrum stellt, lasse sich nicht kommerziell betreiben.
Auf die Frage, ob das Projekt vielleicht zu schwer verständlich und kaum vermittelbar ist in die Politik, antwortet Sarah Lüthy: «So schwer ist es eigentlich nicht. Minasa ist eine digitale Infrastruktur, die Kultur sichtbar macht, und effizient und nachhaltig verbreitet. Wer hier investiert, stärkt nicht nur Veranstalter:innen und Medien, sondern die gesamte kulturelle Landschaft der Region.»
«Minasa bedeutet für unsere Kulturveranstalter:innen in der Region Zürichsee-Linth einen entscheidenden Mehrwert hinsichtlich noch stärkerer Bewerbung ihrer Events. Als Host der Plattform szenen-kultur.ch profitieren wir durch die Mitnutzung der Minasa-Datenumgebung gleichzeitig von viel vorhandenem Know-how und hoher Professionalität!»
Peter Brunner, Geschäftsleiter Szenen, Kaltbrunn

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