Gibt es ein Napoleongrab am Bodensee?

Gibt es ein Napoleongrab am Bodensee?
«Das Grab eines Tapferen», Lithographie von Delpeche nach 1821: Der Stich zeigt einen französischen Offizier, der mit einem Lorbeerzweig in der Hand zum Grab Napoleons I. geht. Die Lage in der Landschaft zeigt eindeutig das Grab von Sankt Helena: am Fusse eines Hügels, neben einer Quelle, unter einer Trauerweide. Genau in einer solchen Lage soll sich auch die vermutete Grabkopie auf dem Arenenberg befinden. | © Napoleonmuseum Arenenberg

Neuer Fund auf dem Arenenberg: Das Napoleonmuseum ist überzeugt, dass auf seinem Gelände eine Kopie des berühmten Napoleongrabs von St. Helena existiert. Weitere Forschungen sollen folgen. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Ganz sicher ist man sich im Napoleonmusuem Arenenberg noch nicht, aber vieles deute darauf hin, „dass Königin Hortense auf dem Arenenberg eine Kopie des berühmten Napoleongrabs von St. Helena errichten liess“, schreibt das Thurgauer Museum in einer Medienmitteilung. Das Haus verweist unter anderem darauf, dass die auf dem Arenenberg im Exil lebende Königin Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Erbin Napoleons I., ihre Schlossanlage ganz bewusst zu einem Gedenkort für Napoleon I. gemacht habe.

In Anlehnung an das Originalgrab habe sie um 1821/22 zusammen mit dem Napoleon-Vertrauten Gaspard Gourgaud im westlichen Schlosspark eine Trauerweide, genannt „Saule de Sainte-Hélène“, pflanzen lassen. Es gebe nun Hinweise darauf, dass unter der Arenenberger Trauerweide ausserdem eine Grabanlage aus Stein existiere. „So etwa sprachen die kantonalen Verwalter des Arenenbergs über Generationen vom «Napoleongrab» im Park, ein Foto aus dem Jahr 1860 zeigt den als Weide von St. Helena bezeichneten Baum und im Parkplan von 1835 hat die Weide eine eigene Signatur."

Ein Gemälde des Schlosses von Henri Emile Brunner-Lacoste aus dem Jahr 1859 lasse sogar eine helle Grabsteinplatte erahnen, notiert das Museum.

Der Grabstein mit dem eingravierten N: Nach der Setzung des Napoleongrabs auf dem Arenenberg (v.l.): Daniel Brogle, Betriebsleiter der Arenenberger Gärtnerei, Christina Egli, stv. Direktorin des Napoleonmuseums, Steinmetz Urs Traber, Dominik Gügel, Direktor des Napoleonmuseums und Peter Zadravec, Leiter Servicecenter Arenenberg. Bild: PR2

Es wird noch Jahre dauern, bis klar ist, ob die Vermutung stimmt

Dort, wo die Trauerweide stand, wachsen heute Weinreben. Sofern es die Grabplatte (noch) gibt, wird sie in grösserer Tiefe verschüttet sein, vermutet das Napoleonmuseum. Der Hang sei einst für den Weinbau in eine günstigere Ausrichtung zu See und Sonne gebracht und dafür neu modelliert worden. Deshalb wird die Wahrheit wohl noch ein wenig auf sich warten lassen: Erst in den nächsten Jahren werden Bodenradar-Untersuchungen zeigen, was wirklich in der Erde verborgen liegt.

Die neue Entdeckung nutzt das Museum jetzt schon mal, um auf eine kommende Ausstellung hinzuweisen: Zur diesjährigen Sonderausstellung «1821 Napoleons Ende: St. Helena, Arenenberg und die Geburt einer Legende» (ab 10. Mai) werde eine Installation die Grabkopie visualisieren. Bereits jetzt wurde die schmucklose, mit einem grossen N beschriftete Grabplatte aus Rorschacher Sandstein gesetzt und in unmittelbarer Nähe eine Weide gepflanzt.

Das Grab auf St. Helena

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Napoleon I. in der Verbannung auf der abgelegenen Insel St. Helena mitten im Südatlantik. Nach seinem Tod 1821 erhielt er dort ein schmuckloses Grab. Zahlreiche Zeichnungen geben eine Vorstellung davon, wie das Grabmal ausgesehen hat: Neben einer Quelle, unter den dichten Zweigen einer Weide liegt ein flacher, schlichter Grabstein. Genau so hatte es Napoleon auch verfügt.

Das Grab auf dem Arenenberg soll dem nachempfunden sein.

Die Trauerweide kommt in die Erde: Mit Unterstützung pflanzt Daniel Brogle, Betriebsleiter der Arenenberger Gärtnerei, die Trauerweide für das Napoleongrab. Bild: PR2

 

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