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von Inka Grabowsky, 13.02.2023

In ruhigem Fahrwasser

In ruhigem Fahrwasser
Hoffnung auf eine bunte Zukunft: Beim Kult-X soll wieder mehr das Programm und nicht die Vereinsquerelen in den Fokus. | © Inka Grabowsky/Bearbeitung: Canva

Das Kreuzlinger Kulturzentum Kult-X hat turbulente Zeiten hinter sich. Doch mit neuer Geschäftsführung und Vorstand scheint Ruhe auf dem ehemaligen Schiesserareal einzukehren. Es ist aber bei weitem noch nicht alles in trockenen Tüchern. (Lesedauer: ca. 5 Minuten)

Das Kult-X hat eine bewegte Geschichte. Vergangenes Frühjahr legten Geschäftsführung und Vorstand des Trägervereins nach Unstimmigkeiten mit den Mitgliedsvereinen ihre Ämter nieder. Eine Interimslösung musste gefunden werden. Und die hielt naturgemäss nicht lange.

Vier der sieben Mitglieder des neuen Vorstands reichten nach rund einem halben Jahr bereits wieder ihren Rücktritt ein – jeweils aus persönlichen Gründen, wie sie betonten. Bei der nächsten Generalversammlung soll der Vorstand wieder ergänzt werden.

 

«Wir fühlen uns unterstützt.»

Stefan Döhla, Filmforum KuK

Die Lage habe sich inzwischen beruhigt. Das sagen übereinstimmend Vorstandspräsident, Geschäftsführerin, die Stadt als Haupt-Geldgeberin und die Mitgliedsvereine.

Peti Egli vom Filmforum KuK beispielsweise lobt die Arbeitsatmosphäre: «Bei der Organisation unserer Vorstellungen hatten wir ja auch unter der alten Führung nie Probleme, aber inzwischen ist die Zusammenarbeit besser geworden. Wir werden eingeladen mitzudiskutieren, wenn Entscheidungen anstehen.»

Stefan Döhla ergänzt: «Unsere KuK-Mitglieder gehen jetzt wieder motiviert und mit einem guten Gefühl ins Kult-X, um dort Kino zu veranstalten und die Menschen für Filme zu begeistern. Wir fühlen uns unterstützt.»

 

Eine zusätzliche Bar gibt es schon, ein Restaurant ist nicht in Planung. Bild: Inka Grabowsky

Präsident ist zuversichtlich

«Wir haben viel Zeit investiert, um den Betrieb formal zu organisieren», betont Präsident Michael Kubli. Er war ursprünglich Vize des Trägervereins und rückte nach, als Interims-Vorstand Sven Frauenfelder aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten musste.

Gemeinsam mit der Geschäftsführung ist die Vereinsführung dabei, Regelungen zu verschriftlichen. Es soll transparent werden, wie lange im Voraus man einen Raum reservieren kann, wie die Räume vergeben werden, wer für was zuständig ist.

 

«Ich finde die Herangehensweise von Michael Kubli gut, insofern bleibe ich dran. Das Kult-X bleibt für mich ein bevorzugter Veranstaltungsort.»

Stephan Militz, Ex-Geschäftsführer und Vorsitzender des Vereins Kultur Worx

Viele der alten Probleme mit den 19 Mitgliedsvereinen seien im Gespräch geklärt worden, so Kubli. Alle seien nach wie vor dabei, auch Stephan Militz von Kultur Worx, der als Vorstandsmitglied und Co-Geschäftsleiter nach den Querelen vergangenes Jahr zurückgetreten war. «Ich finde die Herangehensweise von Michael Kubli gut, insofern bleibe ich dran. Das Kult-X bleibt für mich ein bevorzugter Veranstaltungsort», sagt er.

Michael Kubli seinerseits lobt die Hilfsbereitschaft von Militz und den Informationsaustausch: «Ich hatte das Glück, von beiden Seiten um die Mitarbeit im Vorstand gebeten worden zu sein. So sind wir ein verbindendes Element. Denn es braucht im Kult-X ein Aufeinanderzugehen. Es ist schliesslich ein genossenschaftliches Projekt, bei dem das Programm ohne zentrale Steuerung entsteht – jedenfalls solange es repräsentativ und ausgeglichen ist.»

 

Der Eingangsbereich des Kult-X ist nicht barrierefrei - das soll sich ändern. Bild: Inka Grabowsky

Geschäftsführerin hat die Organisation im Griff

«Ohne Steuerung» heisst keinesfalls «ohne Planung». Zum einen ist der Verein für die Strategie zuständig, zum anderen hat das Kult-X eine neue Geschäftsführerin eingestellt. Noemi Signer konnte ab Anfang Jahr ihr 30-Prozentpensum auf 60 Prozent aufgestocken, ist also drei Tage die Woche vor Ort.

«Jetzt habe ich etwas Luft zum Atmen, und der Berg an Pendenzen wird kleiner», sagt sie. Zu ihren wichtigen Aufgaben gehört auch die Verteilung der Fördergelder des Kantons für einzelne Veranstaltungen. «Ich mache das in Absprache mit dem Vorstand. Wir haben zusammen eine Idee entwickelt, die wir in der Programmgruppe und an der Generalversammlung vorgestellt hatten. Nun müssen wir noch die entsprechenden Formulare und Leitfäden erstellen.»

 

«Die Kommunikation hat sich verändert. Es gibt mehr Klarheit.»

Claudia Heinle, Compagnie Tanz Raum

Die neue Geschäftsführerin kommt offenbar gut an bei den Mitgliedsvereinen. Claudia Heinle von der «Compagnie Tanz Raum» etwa sagt: «Die Kommunikation hat sich verändert. Es gibt mehr Klarheit. Noemi agiert transparent und strahlt dabei Ruhe aus.»

Noemi Signer bekommt die Anfragen für Raumbuchungen, koordiniert, sucht Kompromisse. Dabei versucht sie ein möglichst vielfältiges Angebot für die Besucher entstehen zu lassen. Um Profit gehe es nicht. Nur die Nebenkosten, die Werbung und die Reinigung müssen von den Mieteinnahmen gedeckt werden.

Ausserdem will Noemi Signer dafür sorgen, dass das Haus auch tagsüber belebt ist. «Es passiert hier viel, was nicht auf den Plakaten steht: Proben, Workshops, mal eine Vereinsversammlung und mal Veranstaltungen der Stadt.»

 

«Die Stadt und die Kulturkommission begleiten das Kult-X eng.»

Dorena Raggenbass, Stadträtin

Die Stadt Kreuzlingen ist nicht nur Nutzer, sondern vor allem Geldgeber. Nach der Volksabstimmung im Herbst 2021 hat sie eine Leistungsvereinbarung mit dem Verein Kult-X geschlossen. Und weil jährlich 250.000 Franken Steuergelder als Betriebsbeitrag fliessen (ein Grossteil davon geht in die Miete des Gebäudes), wird regelmässig kontrolliert.

«Wir prüfen zum Beispiel die Jahresrechnung, den Revisionsbericht und den Jahresbericht», so Stadträtin Dorena Raggenbass, «und circa alle drei Monate treffen wir uns mit dem Vorstand, um die Betriebsentwicklung zu besprechen.» 

Bei der nächsten GV der Mitgliedsvereine im Frühjahr soll unter anderem die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Stadt und Vorstand vorgestellt werden. «Die Stadt und die Kulturkommission begleiten das Kult-X eng», verspricht Raggenbass. «Diese Aufmerksamkeit war neu für mich», sagt dazu Geschäftsführerin Signer, «aber letztlich ist es doch verständlich.»

Am Zusammenhalt hapert es noch

Es sei nicht immer leicht, alle Mitgliedsvereine unter einen Hut zu bekommen, sagt Noemi Signer. «Es sind ja Ehrenämtler, die für ihr Projekt brennen. Wir haben die Programmgruppe wieder aufgegleist, so dass sich die Mitgliedsvereine untereinander besser kennenlernen. Damit wollen wir das Vertrauen untereinander und auch Kooperationen fördern.» Genau das steht auf der Wunschliste einzelner Vereine.

«Es liegt jetzt an den Vereinen, sich und das Kult-X voranzubringen. Wir sind noch kein innovativer Think Tank für Kultur - aber das kann ja noch werden», sagt Tänzerin Claudia Heinle.

Andreas Heuke vom Theater an der Grenze sieht beim Zusammenhalt ebenfalls noch Luft nach oben: «Derzeit arbeitet jeder für sich. Das hat mitunter unangenehme Auswirkungen. Vielleicht könnten wir jenseits einer offiziellen Sitzung bei einem kleinen Fest mehr Wir-Gefühl entwickeln. Ein offenes Forum für alle Vereine wäre schön.»

 

«Derzeit arbeitet jeder für sich. Das hat mitunter unangenehme Auswirkungen. Vielleicht könnten wir jenseits einer offiziellen Sitzung bei einem kleinen Fest mehr Wir-Gefühl entwickeln.»

Andreas Heuke, Präsident Theater an der Grenze

Wenig optimistisch ist Stephan Militz von Kultur Worxs: «Ich bemühe mich nach wie vor, mit anderen zusammen Spektakel auf die Beine zu stellen, aber das funktioniert noch nicht. Solange die alten, etablierten Vereine Angst vor dem Identitätsverlust haben, wird es keine Kooperationen unter dem Dach des Kult-X geben.»

Ausbau geht weiter

Der Betrieb ist das Eine, die Infrastruktur das Andere. Bis zum Herbst soll eine Machbarkeitsstudie zum weiteren Ausbau des Gebäudes vorlegen, berichtet Dorena Raggenbass. «Derzeit klären wir beim Altbau die Statik und die technischen sowie baulichen Möglichkeiten. Und es sieht so aus, als müsste man den Gebäudeteil nicht abreissen, sondern könnte ihn sanieren. Der Vorstand spricht parallel dazu mit den Nutzer-Vereinen über die Raumplanung.»

Neben der Sanierung steht eine Umgestaltung des Eingangsbereichs und der sanitären Anlagen an. Sie sind heute nicht barrierefrei. Theaterpräsident Heuke mahnt ausserdem an: «Der lange Gang verbreitet im Augenblick noch eine Spitalatmosphäre, aber das ist nichts, was man mit Farbe und ein paar Lampen nicht verbessern könnte. Wir bieten gerne Hand beim Renovieren. Und ein Teppich wäre wichtig. Dann hörte man die Absätze der Tangotänzerinnen nicht mehr so klappern, wenn man eine Theater-Vorstellung am Freitagabend besucht.»

 

Der Gang vor dem Theatersaal soll einladender werden. Bild: Inka Grabowsky

Ziele für 2023

In zwei Jahren kommt das Kult-X wieder vors Volk, weil dann der jetzt gesprochene Beitrag ausläuft. «Bis dahin wünscht sich der Stadtrat eine gefestigte Betriebsstruktur und ein vielfältiges Angebot», sagt Dorena Raggenbass. In Hinblick auf die Zukunft freut sie sich über die Mischung aus erfahrenen Veranstaltern und jungen Leute, die sich engagieren. «Nur so stellen wir sicher, dass das Kult-X in Zukunft Bestand hat.»

Stefan Döhla, Vorstand des Filmforms KuK, merkt allerdings an, dass auch die Öffentlichkeitsarbeit dafür besser werden müsse: «Das Kult-X zieht inzwischen viele Menschen aus unterschiedlichen Kontexten an, aber es könnte unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Kreuzlingen noch stärker bekannt gemacht werden, um wirklich ein Kulturhaus für alle zu werden. Da gibt es schon verschiedene Ideen.»

 

«Wenn die Menschen das Angebot im Kult-X wollen, dann wird es sich auch durchsetzen.»

Noemi Signer, Geschäftsführerin Kult-X

Die Geschäftsleiterin Signer hat die Volksabstimmung nicht ständig im Hinterkopf: «Wenn die Menschen das Angebot im Kult-X wollen, dann wird es sich auch durchsetzen», sagt sie gelassen. «Das Publikumsinteresse ist je nach Veranstaltung sehr unterschiedlich, aber das ist bei dem breiten Angebot eben auch normal.»

Zusätzlichen Wünschen, etwa nach der Einrichtung eines Gastrobetriebs, der auch jenseits der Veranstaltungen geöffnet hat, erteilt die Geschäftsführerin eine Absage: «Das, was wir machen, wollen wir erstmal gut machen.»

 

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