Kultur-Koma wird verlängert

Kultur-Koma wird verlängert
«Der Schweizer Kultursektor wurde ins künstliche Koma versetzt», heisst es in einer Mitteilung der Taskforce Culture. Jetzt brauche es Massnahmen da wieder herauszukommen. | © Canva

Der Shutdown geht in die Verlängerung: Mindestens bis Ende Februar bleiben Kinos, Theater und Museen dicht und Veranstaltungen verboten. Kulturlobbyisten fordern jetzt mehr Hilfen. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Es kam wie erwartet: Der Bundesrat hat seine Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus am Mittwoch verschärft. Für die Kulturbetriebe bedeutet das vor allem: Sie bleiben länger geschlossen als noch vor Weihnachten angekündigt. Mindestens bis Ende Februar sollen Kinos, Theater und Museen ihre Türen geschlossen halten. Veranstaltungen sind grundsätzlich verboten.

In einer ersten Reaktion darauf fordert die verbandsübergreifende „Taskforce Culture“ nun stärkere Hilfen für die Kulturbranche. „Wir verstehen zwar aus gesundheitspolitischer Sicht die geplante Verlängerung der Pandemie-Massnahmen, aber Arbeits- und Veranstaltungsverbote sind massive Eingriffe in die Wirtschafts- und Kunstfreiheit. Daher sind einfache, rasche und wirksame Entschädigungen unabdingbar“, heisst es in einer Medienmitteilung der Arbeitsgruppe. Ausserdem brauche es jetzt eine Strategie für die Wiederaufnahme des Kulturlebens.

270'000 Kulturschaffende & 63'000 Kulturunternehmen betroffen

Die Taskforce fordert zudem schweizweit einheitliche Regelungen und eine klare Vereinfachung der unübersichtlichen Unterstützungsmassnahmen. In ihrem Schreiben erinnern die InitiatorInnen auch nochmal an die Dimension des Kultursektors: „Seit rund 11 Monaten unterliegt die Kultur-und Veranstaltungsbranche einem eigentlichen Arbeitsverbot. Davon sind rund 270'000 Kulturschaffende und rund 63'000 Kulturunternehmen betroffen.“

Vor allem bei der Härtefallentschädigung und der Kurzarbeitsentschädigung müsse auch der Kultur- und Veranstaltungssektor berücksichtigt werden. „Der Schweizer Kultursektor wurde ins künstliche Koma versetzt“, heisst es in der Mitteilung. Um da wieder heraus zu kommen, brauche es stärkere Hilfen von der Politik für Kultur- und Veranstaltungsbranche.

Ran an die Reserven der Nationalbank

Die verbandsübergreifende Initiative appelliert an die Politik: «Es kann nicht sein, dass die Schweizerische Nationalbank mittlerweile über eine Ausschüttungsreserve von annähernd 100 Milliarden Franken verfügt und in dieser Krisenzeit dennoch nur 4 Milliarden an die öffentliche Hand ausschütten will. Geld für rasche und ausreichende Entschädigungen an die lahm gelegten Branchen wie die Kultur wäre in der Schweiz vorhanden!»

Neben den Einschränkungen des Kulturlebens müssen ab 18. Januar auch alle Läden für Güter des nicht-täglichen Bedarfs geschlossen werden, eine Home-Office-Pflicht wird eingeführt und private Veranstaltungen werden auf maximal 5 Personen begrenzt. Die neuerlichen Verschärfungen haben nach Angaben des Bundesrats vor allem zwei Gründe.

Die Gefahr durch neue Virusvarianten

Zum einen haben die bisherigen Massnahmen die Zahlen noch nicht so reduziert, dass Lockerungen möglich wären. Zum anderen sind auch in der Schweiz die beiden, hoch ansteckenden Virusvarianten aus Grossbritannien und Südafrika angekommen. Um die Ausbreitung der Mutationen zu verlangsamen sollen die Kontakte nun weiter eingeschränkt werden.

Die neuen Massnahmen im Überblick (13. Januar 2021)

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