von Michael Lünstroth, 10.08.2018

Männerherzen

Männerherzen
Männer, die über Frauen reden: Die Schauspieler (von links) Adele Raes, Joe Fenner, Giuseppe Spina und Silvana Peterelli bei Proben zu dem Stück «Am Hang» im Greuterhof Islikon. | © Michael Lünstroth

Der Roman «Am Hang» von Markus Werner war ein Bestseller. Ab 17. August bringt die Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5 den Stoff auf die Bühne des Open-Air-Theater im Greuterhof Islikon   

Zwei Männer treffen sich auf der Terrasse eines Restaurants. Sie kommen ins Gespräch und stellen schnell fest, dass sie eigentlich nichts miteinander verbindet. Einer ist Mitte 30, Junggeselle, Scheidungsanwalt und Lebemann. Der andere ist knapp 20 Jahre älter, Professor, etwas behäbig und eher zögerlich. Trotz all dieser Unterschiede - die beiden bleiben über Tage im Gespräch und stellen am Ende fest, dass sie viel mehr miteinander verbindet als am Anfang gedacht. Das ist die Handlung von Markus Werners Roman „Am Hang“, der im Juli 2004 erschien und zum Bestseller wurde. Jetzt kommt der Stoff auch auf die Bühne: Die Theaterwerkstatt Gleis 5 adaptiert den Roman für ihr Open-Air-Theater im Greuterhof Islikon. Premiere ist am 17. August.

An einem Mittwochmorgen sitzen Mirjam Bührer und Giuseppe Spina auf einem Sofa im kuscheligen Innnenhof des Greuterhof und warten. Zum ersten Mal seit Wochen regnet es, die geplanten Proben verschieben sich etwas. Wach sind die beiden schon länger - wegen der Hitze der vergangenen Tage hat die Gruppe die Probenarbeit nach vorne verlegt. Beginn: 7 Uhr. Eigentlich keine Zeit für Schauspieler.  Hinter den beiden ist bereits die Zuschauertribüne aufgebaut, mittendrin sitzt an einem kleinen Tisch Noce Noseda, der Regisseur des diesjährigen Stücks, und raucht. Sein Eindruck bislang: „Wir sind eigentlich schon ziemlich weit, dafür, dass wir noch 9 Tage bis zur Premiere haben. Es wächst zusammen, die einzelnen Teile fügen sich mehr und mehr“, sagt Noseda. 

Video: Gedanken zum Stück von den Machern

 

Dass er nun diese Männgerschichte über Liebe, Schuld, Sühne und zwei gegensätzliche Lebensentwürfe inszeniert, hätte der Regisseur vor einigen Monaten für nicht sehr wahrscheinlich gehalten. Ihm gefiel die Geschichte zwar, aber sie erschien ihm zu düster für ein Sommertheater. Die beiden Schauspieler Silvana Peterelli und Giuseppe Spina haben ihn schliesslich überzeugt. „Zum Glück“, wie Noseda heute findet. In der Geschichte stecke unheimlich viel. Was ihn besonders interessiert hat - diese komplett unterschiedlichen Welten der beiden Hauptfiguren. „Sie leben zwar beide auf demselben Planten, sind ihrem Wesen nach aber eher Ausserirdische füreinander“, beschreibt Noce Noseda die Beziehung. Ein regionaler Anknüpfungspunkt für die Inszenierung war auch die Vita von Markus Werner: Der vor zwei Jahren gestorbene Schriftsteller wurde 1944 in Eschlikon im Thurgau geboren. 

Was dem Regisseur an dessen Roman auch gefällt, sind die Suspense- und Thriller-Elemente, die der Stoff enthält. Je länger sich die beiden Männer unterhalten, um so klarer wird, dass die Begegnung nicht zufällig war, sondern von dem Älteren bewusst herbei geführt wurde. Immer deutlicher wird im Verlaufe des Stücks, dass beide dieselbe Frau liebten: Valerie. Und der Ältere, Thomas Loos, wegen einer Affäre von Valerie mit dem Jüngeren, Thomas Clarin, verlassen wurde. Ein Reiz des Stoffs ist, dass der Zuschauer längst über die Verbindung Bescheid weiss und nun dabei zusehen kann, wie auch Thomas Clarin allmählich begreift. Einer Erkenntnis beim Erwachen zuzuschauen, hatte schon immer seinen ganz eigenen Reiz.

Wie bringt man einen Roman auf eine Theaterbühne?

Regisseur Noce Noseda betrachtet die Proben zur Inszenierung «Am Hang», die am 17. August 2018 Premiere feiert im Greuterhof Islikon.
Konzentriert: Regisseur Noce Noseda betrachtet die Proben zur Inszenierung «Am Hang», die am 17. August Premiere feiert. Bild: Michael Lünstroth


Für Regisseur Noce Noseda gab es noch ganz andere Herausforderungen. Die grösste: Wie bringt man einen Roman auf die Bühne, der aus viel Dialog und wenig Handlung besteht? „Wir mussten mehr Bewegung reinbringen, auf der Bühne muss ja etwas passieren. Die Geschichten über Valerie, die im Roman erzählt werden, inszenieren wir nun als Flashbacks, als Erinnerungsstücke der Figuren“, erklärt Noce Noseda. Als Inspiration diente ihm hier auch der Film, den Markus Imboden 2013 aus dem Roman gemacht hatte. Imboden verfügte über eine veritable Star-Besetzung: Martina Gedeck, Henry Hübchen und Max Simonischeck übernahmen die Hauptrollen.

Video: Trailer zum Film von Markus Imboden

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 will nun ihre ganz eigene Interpretation der Ereignisse vorlegen. Dazu hat Noce Noseda eine eigene Textfassung geschrieben, die den Bedürfnissen des Open-Air-Theaters angepasst ist. „Dabei geht es gar nicht immer um die ganz grossen Showelemente. Ich mag es auch sehr, wenn es mal ruhiger wird und wir intime Momente stehen lassen können. Wir wollen mit unserer Arbeit auch ein bisschen Entschleunigung vom hektischen Alltag anbieten“, erläutert der Regisseur im Gespräch. Erstmals hat sich die Gruppe auch Musik zum Stück anfertigen lassen: Morten Qvenild ist für Komposition und Sounddesign verantwortlich und soll so dem Inhalt noch mal eine zusätzliche Ebene geben.

Jede Geste, jeder Blick muss sitzen, sagt der Regisseur

In den letzten Tagen vor der Premiere geht es für Regisseur Noseda vor allem um eines: „Ich schaue genau hin, ob das auf der Bühne etwas erzählt, ob die Geschichte, wie wir sie erzählen, für die Zuschauer funktioniert. Da kommt es auf jede Geste, jeden Blick an. Das muss sitzen, sonst erreichen wir das Publikum nicht“, ist er überzeugt. Ob das gelingt, wird sich spätestens am Freitag, 17. August, zeigen: Um 20.30 Uhr beginnt die Premiere im Greuterhof. 

Termine. Die Inszenierung „Am Hang“ wird vom 17. August bis 1. September im Greuterhof Islikon gezeigt. Beginn ist jeweils 20.30 Uhr. Ticketreservationen sind hier möglich. Alle Aufführungstermine finden sich unten unter „Dazugehörige Veranstaltung“.

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