von Inka Grabowsky, 03.07.2026
Wie man ein Schiffswrack baut

Gute Geschichten brauchen einen richtigen Rahmen. Im Theater funktioniert das oft über das Bühnenbild. Beim See-Burgtheater geben sie sich damit besonders viel Mühe. Eine Bauanleitung. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)
Ein Stück über eine Piratin muss am Wasser spielen. Das ist nicht weiter verwunderlich. Auch der Gedanke, dass das Deck eines Schiffs die Bühne bilden könnte, ist nachzuvollziehen. «Am liebsten hätten wir ja ein Schiff ins Wasser gebaut», erzählt Bühnenbildner Damian Hitz, der seit «Was ihr wollt» regelmässig zum Team des See-Burgtheaters gehört. «Das wäre aber viel zu aufwändig und damit zu teuer geworden. Deshalb leben wir an Land mit der Nähe zu den Bäumen, deren Blätterrauschen bei jedem Windstoss stört.»
Simon Engeli als Regisseur hatte einige Anforderungen an das Bühnenbild, als sich die beiden vergangenen Herbst für erste Absprachen trafen: «Im Heck muss es Platz für einen Container haben, in dem die Band regengeschützt ihre Instrumente spielen kann», erklärt er. «Der Raum muss abschliessbar sein, damit man nicht über Nacht alles herausräumen muss. An Deck braucht es Platz für Kampfszenen. Und: Der Mast des gestrandeten Schiffswracks dient Akrobatinnen als Kletterstange.»
Sicherheit geht vor
Der Klettermast sorgt in der Planung für eine Extra-Schlaufe. Ein Statikbüro rechnet aus, wie gross die Gegengewichte am Boden sein müssen, damit der Mast nicht nur Sturmböen, sondern auch der Belastung durch die Kletternden standhält. Aus Vernunftgründen wird der Mast senkrecht stehen, nicht schief, wie es bei einem gestrandeten Wrack zu erwarten wäre. Er besteht aus Holz, sitzt in einem Stahlrahmen, und wird mit Seilen abgespannt.
«Wie entsteht Kunst?», das war die Leitfrage dieser Recherche. Wer im Thurgau ins Theater geht, erlebt ein Kunstwerk innerhalb von zwei bis drei Stunden. Es ist eine extreme Verdichtung eines langen Schaffensprozesses. Wenn man sich bewusst macht, was Bühnenkünstler und -künstlerinnen an Zeit, Geld und Nerven investiert haben, wächst der Respekt.
Anhand der Aufführung von «Die Legende von Anne Bonny» zwischen dem 9. Juli und dem 4. August im See-Burgtheater zeigen wir, was zusammenspielen muss, damit ein Theaterabend gelingt. Unsere Autorin Inka Grabowsky hat den Produktionsprozess über mehrere Monate begleitet. In einer Serie schildert sie in den kommenden Wochen nun ihre Eindrücke.
Die Serienteile
Die Suche nach dem Thema, Teil 1
Wie erweckt man Puppen zum Leben?, Teil 2
Der richtige Rahmen: So ensteht ein Bühnenbild, Teil 3
Jenseits der Kunst: Die Organisation gehört zum Geschäft, Teil 4
Das Ensemble: Wie findet man die richtigen Schauspieler:innen? (Teil 5)
Dieses umfassende Recherche ist nur dank unseres Recherchefonds möglich. Zum 15. Geburtstag von thurgaukultur.ch haben wir im Mai 2024 einen Jubiläums-Recherchefonds initiiert, um bislang unterbelichtete Themen unter die Lupe nehmen zu können. Und unseren Autor:innen für diesen Aufwand auch ein angemessenes Honorar zahlen zu können. Unter dem Titel „15 Jahre, 15 Geschichten“ sollen tief recherchierte Beiträge zu verschiedenen Themenfeldern des Thurgauer Kulturlebens entstehen. Alle Beiträge werden in einem Dossier gebüldet. Der Recherchefonds wird unterstützt von der Stiftung für Medienvielfalt und der Crescere Stiftung Thurgau.
Damit er aussieht, als wäre er Jahrhunderte alt, bestreicht ihn Damian Hitz nicht nur mit Farbe, sondern auch mit einer Mischung aus Spachtelmasse, Sägespänen und Leim. Immerhin gibt es Erleichterung für das Deck: Bei sogenannten «geprobten Vorgängen» braucht man kein Geländer, dass den Zuschauern den freien Blick verstellen würde.
Beim Segel fiel die Wahl wegen der Windlast auf ein engmaschiges Netz. «Es hat gleichzeitig den Vorteil, dass die Luft-Akrobatinnen darin festhalten können», so Damian. «Das Gewebe wird mit Licht gefüllt.»
Das grosse Ganze und die Details
Eine der ersten Aufgaben des Bühnenbildners ist es eine Skizze für die Baubewilligung anzufertigen. Zu den letzten Aufgaben gehört es, bei den Proben darauf zu achten, was einzelne Darsteller in ihren Szenen noch brauchen. «Wichtig sind zum Beispiel versteckte und trockene Ecken für die Kostümwechsel. Ich habe zwei Winkel am Container dafür vorgesehen.»
Umsetzung durch lokale Handwerker
Im Frühjahr werden Damian Hitz und Simon Engeli bei Silvan Raschle von der Kreuzlinger Holzbau-Firma Raschle vorstellig, im Gepäck einen 3-D-Druck und die ersten Pläne. «Wir diskutieren mit den Fachleuten, wie sich die Ideen handwerklich umsetzen lassen», erklärt Simon. «Meine Rolle ist dabei die leidige Frage: Was kostet das?»
Die Raschle AG ist langjährige Partner des See-Burgtheaters und zählt zu den Sponsoren. Man kennt und schätzt sich gegenseitig. «Man merkt, dass die Schreiner Spass an der ungewöhnlichen Aufgabe haben.»
Planung macht das Leben schön
Damit die Handwerker es leichter haben, hat der Bühnenbildner in seiner Werkstatt mit Computer Aided Design und 3-D-Druck alles minutiös vorbereitet. Die Einzelteile werden ausgesägt, geschliffen bemalt und wie ein grosses Puzzle zusammengesetzt. «Ein Steckbausatz», sagt Damian.
Als gelernter Metallbauschlosser hat er selbst einen Blick darauf, was geht, und was nicht geht. Erst nach der berufsbegleitenden Ausbildung an der Luzerner Gestaltungsschule «material und form» wagte er den Sprung in die Theaterwelt, wurde Vorarbeiter bei der Bühnentechnik, Bühnenbild-Assistent und nun schliesslich freischaffender Bühnenbildner.
Die Aufführungen und die Tickets
Premiere: Donnerstag 9. Juli 2026, 20.30 Uhr
Weitere Aufführungen, jeweils 20.30 Uhr an folgenden Tagen:
Juli:
Do 9.7., Fr 10.7., Sa 11.7.
Di 14.7., Mi 15.7., Do 16.7., Fr 17.7., Sa 18.7.
Di 21.7., Mi 22.7., Do 23.7., Fr 24.7., Sa 25.7.
Di 28.7., Mi 29.7., Do 30.7., Fr 31.7.
August:
So 2.8., Mo 3.8., Di 4.8.
Tickets für alle Termine gibt es hier.
Aufführungsdauer: 20.30 – ca. 22.30 Uhr
Die Zuschauertribüne ist gedeckt. Gespielt wird bei jeder Witterung, ausser bei Dauerregen oder Sturm. Die Abendkasse öffnet um 18 Uhr.

Von Inka Grabowsky
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Kommt vor in diesen Ressorts
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Kommt vor in diesen Interessen
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- Schauspiel
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