von Michael Lünstroth, 25.03.2019

Zarte Hoffnung

Zarte Hoffnung
Schritt nach vorne: Die neuesten Nachrichten zu Historischem Museum (links) und Kunstmuseum machen Hoffnung. Es bleiben aber auch Zweifel. | © Von Pingelig - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20594781/Michael Lünstroth

Neuer Anlauf beim Kunstmuseum, neue Pläne fürs Historische Museum: Es tut sich wieder was in der Thurgauer Museumslandschaft. Grund zur Freude? Ja. Aber es bleiben auch Zweifel. 

Vielleicht geht der 21. März 2019 tatsächlich in die Geschichte des Thurgau ein. Als jener Tag, an dem sich der Kanton nach jahrelanger Hängepartie doch noch dazu entschied, seinen Museen Zukunftshoffnung zu geben. Zwei Dinge sind dabei wesentlich. Erstens: Mit den Entscheidungen vom vergangenen Donnerstag könnte es gelingen, die schwierige Vergangenheit um einen Erweiterungsbau am Kunstmuseum Thurgau zu überwinden und dem Haus nach Jahren der Unsicherheit eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Zweitens: Die Nöte des Historischen Museums wurden endlich auch von der Politik anerkannt. Auch hier kann nun Hoffnung blühen, dass die Zeiten des Improvisierens an ein Ende kommen und die aussergewöhnliche Museumsarbeit, die dort geleistet wird, den professionellen Rahmen bekommt, den sie verdient.

Ohne Frage: Der 21. März 2019 war ein guter Tag für den Thurgau. Aber richtig ist auch: Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt. Den Worten müssen nun auch Taten folgen. Leicht wird das nicht, denn immer noch stehen hohe Hürden vor beiden Projekten. Werden sich der Kanton und die Stiftung der Kartause Ittingen nach den gegenseitigen Vorwürfen der vergangenen Monate tatsächlich auf eine neue, transparente und faire Zusammenarbeit einigen können? Wird es einen architektonischen Entwurf für das Kunstmuseum geben, der den Anspruch auf einen prägnanten Erweiterungsbau mit dem Erhalt des Denkmalschutzes der Kartause Ittingen in Einklang bringt? Wird ein solches Millionenprojekt bestehen bei einer Volksabstimmung? Wird das Ringen zwischen dem Oberthurgau und Frauenfeld um das Historische Museum das ganze Projekt beflügeln oder erlahmen? Wird das Historische Museum zum politischen Spielball, wie Direktorin Gabriele Keck schon befürchtete? Wie will die Politik die verschiedenen Anspruchshaltungen managen? Und was wird aus dem Schloss Frauenfeld, wenn das Historische Museum auszieht?

Noch vor einem Jahr finanziell unmöglich. Und jetzt kein Problem mehr?

Zweifel sind also da und sie müssen auch erlaubt sein. Das Vorgänger-Projekt zum Erweiterungsbau des Kunstmuseums hat gezeigt, wozu es führt, wenn Zweifel nicht ernst genommen werden. Genährt werden diese Zweifel vor allem von zwei Dingen. Zum einen hat der Kanton erst vor einem Jahr erklärt, dass man nicht gleichzeitig die Probleme des Kunstmuseums und des Historischen Museums lösen könne. Das übersteige die finanzielle Kraft des Thurgau. Dass genau das nun doch gehen soll, ist überraschend. Regierungsrätin Monika Knill erklärt das auf Anfrage unter anderem damit, dass „die Aufteilung der operativen Projektleitung zwischen Departement für Erziehung und Kultur (Historisches Museum) und Departement für Bau und Umwelt (Kunstmuseum) die Ressourcenkonzentration reduziert und somit besser zu bewältigen“ sei. Zudem werde es „aufgrund unterschiedlicher Zeitpläne automatisch zu einer Etappierung kommen.“ Richtig ist aber auch, dass beide Projekte zeitlich nun dichter beieinander liegen als es ursprünglich mal geplant war. Die Auswirkungen davon sind derzeit aber kaum absehbar. 

Zweifel kommen aber auch aus einer anderen Richtung: Zeitgleich mit den Plänen für Historisches  und Kunstmuseum hat der Kanton auch seine lange erwartete Museumsstrategie vorgelegt. Im Wesentlichen hat man sich vor allem darauf geeinigt, künftig stärker zusammen zu arbeiten. Ein solch dünnes Ergebnis nach fast vier Jahren Beratung wirft die Frage auf, inwieweit die Museen selbst bereit sind, sich zu verändern, um auch im 21. Jahrhundert relevant zu bleiben. Denn: Man kann noch so schöne neue Bauten errichten, wenn die Menschen darin nicht bereit sind, sich zu öffnen, wird es keine nachhaltig positive Entwicklung geben. 

Auf dem Weg in die Geschichtsbücher

Trotzdem: Für den Moment ist der 21. März 2019 ein guter Tag für den Thurgau. Es kommt Bewegung in lange Zeit lahmende Prozesse. Dieser Tag kann es aber nur in die Geschichtsbücher schaffen, wenn den Worten jetzt tatsächlich Taten folgen. Auf allen Ebenen.

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