Es ist angerichtet

Es ist angerichtet
Wohl bekomm's: Am Freitag, 2. Juli, entscheidet sich wer den Wettbewerb «Ratartouille» gewinnt. Schon jetzt zeigt sich, dass die Ausschreibung ein Gewinn ist. | © Canva

Als die Kulturstiftung ihren neuen Wettbewerb „Ratartouille“ lancierte, gab es viel Kritik. Die drei Final-Teilnehmer zeigen: Keine der Befürchtungen hat sich bewahrheitet. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Populismus! Zeitgeist-Anbiederung! Castingshow-Format! Es gab nicht eben wenig Kritik als die Kulturstiftung des Kantons Thurgau im vergangenen Jahr beschloss, einen neuen Wettbewerb auszuschreiben. An die Stelle von Werkschau Thurgau, Frauenfelder Lyriktagen und tanz:now sollte ein neues, interdisziplinäres Projekt treten mit dem Namen „Ratartouille“. Weil, so Stefan Wagner, Beauftragter der Stiftung damals, die Luft aus den bisherigen Veranstaltungen raus sei. Es brauche neue Formate, „die besser in unsere Zeit passen“, sagte Wagner damals.

Ein halbes Jahr später stehen drei sehr verschiedene Ideen im Finale um die 100’000 Franken der Kulturstiftung. Am Freitag, 2. Juli, entscheidet das Publikum im Theaterhaus Thurgau in einer Live-Veranstaltung darüber, welcher Vorschlag jetzt umgesetzt wird. Die schlechte Nachricht dazu ist: Nur ein eher bescheidenes Publikum von 50 bis maximal 100 TeilnehmerInnen wird über diese wichtige Frage entscheiden können. Eigentlich müsste man diese Abstimmung grösser aufziehen für ein echtes Stimmungsbild aus der Bevölkerung. Die gute Nachricht dazu aber ist: Ganz egal, welche Idee sich am Ende durchsetzt - jedes dieser Festivals wird eine Bereicherung für den Kanton sein. Das Wagnis der Stiftung, drei renommierte Festivals für ein unbekanntes Format zu streichen, ist aufgegangen.

Jede Idee hat eine ganz eigene Stärke

Bei „Kultur im Tankkeller“ soll über mehrere Wochen die alte Mosterei Egnach vor dem endgültigen Abriss wiederbelebt werden - mit einem ambitonierten Programm zwischen Familienfreundlichkeit und Weltgewandtheit in spektakulären Räumen. Die „Promenaden“ wollen das, was an Kulturschaffen schon da ist neu zum leuchten bringen, den Kanton auf gemeinsamen Ausflügen entdecken und ungewöhnliche Kontexte aufmache. Und „Thurgau fix“ will die Welt in den Kanton holen und mit Kunst und Kultur prüfen, wo wir bei gesellschaftlichen Megatrends stehen.

Es sind ganz unterschiedliche Ansätze entstanden und nun zeigt sich, dass es richtig war von der Kulturstiftung, den Rahmen der Ausschreibung möglichst offen zu lassen. Während das Egnacher Projekt und die Promenaden auf das Kulturschaffen setzen, was bereits da ist, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen, versucht „Thurgau fix“ den umgekehrten Weg und geht vom Neuen aus und schaut, was es im Thurgau davon gibt. Vereinfach gesagt: Die einen schauen wie viel Thurgau in der Welt steckt, die anderen untersuchen wie viel Welt im Thurgau steckt.

Eigentlich müsste man alle drei Projekte umsetzen

Weil sich das so perfekt ergänzt, wäre es jetzt extrem schade, wenn man nur einen Ansatz daraus umsetzte. Deshalb, liebe Kulturstiftung, haben wir da eine Idee: Setzt alle drei Projekte um! Über die nächsten sechs Jahre jeweils im Wechsel, so dass jedes Festival bis 2027 zweimal stattfinden könnte. Und danach erfindet ihr euch dann wieder neu. Was dieses Mal so gut funktioniert hat, sollte doch auch 2028 gelingen!

Transparenz-Hinweis: Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau ist eine von zwei AktionärInnen der gemeinnützigen Thurgau Kultur AG, die thurgaukultur.ch betreibt. Alle Details zur Struktur und Finanzierung von thurgaukultur.ch findet ihr hier.

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