von Andrin Uetz, 21.09.2022

Mit dem Gameboy auf die Konzertbühne

Mit dem Gameboy auf die Konzertbühne
Trois Imaginaires im Proberaum. | © Alicia Olmos Ochoa

Das Thurgauer Trio Trois Imaginaires bringt am 23. September ihre Single "New Game Plus" heraus: nostalgisch und ein bisschen reaktionär. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Am 18. November 2022 veröffentlicht das Trio Trois Imaginaires ihr zweites Studioalbum "Collectifs". Vorab gibt´s nun schon mal die erste Single “New Game Plus”. Thurgaukultur durfte sich die Aufnahmen, bei denen neben dem Gitarristen Anatole Buccella und dem Bassisten Pino Zortea der Thurgauer Schlagzeuger Samir Böhringer mitwirkt, bereits vorab anhören.

Klassische Rockformation mit neuen Impulsen

Am Sound von Trois Imaginaires hat sich seit dem Debütalbum "Fantastiques" nicht viel geändert. Nach wie vor setzt das Trio auf eine klassische Jazz-Rock-Formation mit E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug. Wie bereits in der Besprechung dieses Albums von 2020 auf Thurgaukultur.ch festgestellt wurde, zeichnet sich das Trio durch ein virtuoses und differenziertes Spiel auf der Fender Jazzmaster Gitarre, getragen von unaufgeregten sowie soliden Basslinien und einem teils ausufernden Schlagzeugspiel aus. Dieses Rezept funktioniert nach wie vor. Die Gitarre gibt eine Melodie und Grundstimmung vor, driftet auch gern mal etwas ab oder schraubt sich virtuos in die höchsten Höhen, das Schlagzeug zwirbelt mit, treibt voran, drückt aufs Gaspedal, während dem der Bass stets die nötige Ruhe bewahrt, damit das Ganze nicht aus dem Ruder läuft. Und wieder muss betont werden, dass der Bass hier keineswegs die Spassbremse darstellt, sondern den Sound mit geschmackvollen und hochmusikalischen Linien verfeinert und die Höhenflüge der Musiker erst ermöglicht.

Selfies, Kabel und Synthesizer. Als Digital Natives bewegen sich Trois Imaginaires mühelos zwischen Retro-Sounds und moderner Aufnahmetechnik
Als Digital Natives bewegen sich Trois Imaginaires zwischen Retro-Sounds und moderner Technik. Bild: Alicia O. Ochoa.

 

Stücke aus der Gamer-WG

Wie auch am Albumcover ersichtlich, welches eine Nintendo 64 Konsole und das Konterfei der Musiker in einem Röhrenfernseher zeigt, ist das neue Album von Videospielen, und insbesondere von Erinnerungen an Videospiele der Kindheit und Jugend der Band, inspiriert. Bereits das erste Stück "New Game Plus" gibt mit einer an den 8-Bit-Sound von Gameboy-Musik erinnernden Synthesizer-Melodie das Thema vor. "Hello World" erinnert an den Skate-Punk des legendären "Tony Hawk’s Pro Skater" Soundtracks von 1999. "Tout Va Bien, Je T’aime" transportiert einem zurück ins "Rüümli", wo man einen verregneten Tag an einer Game-Konsole verbringt und dazu Lipton Eistee trinkt, während dessen die auskühlende Bong einen süsslichen Geschmack im schlecht gelüfteten Raum verbreitet. "Shedding" verknüpft die Energie des Post-Rocks der 90er Jahre mit knackigen Single-Picks. Bei "Hommage" klingt der Grunge aus Seattle an und bei "Sans Nom" kommen Fans eines komplexeren Jazz-Gitarren-Spiels auf ihre Kosten. Bei "Ça Fait Ecrire Des Jolis Morçeau" wirft das Trio nochmals alles Energie in den Track, um dann mit einem etwas kryptischen aber ebenso engagierten "Ororing" die Platte abzurunden.

Unabhängig vom neuen Album hat das Trio im Sommer 2021 eine Hommage an den Gameboy mit dem Soundtrack von “The Legend of Zelda” aufgenommen

Mit dem Game-Boy gegen den Generationen-Gap

Trois Imaginaires bezeichnen ihren Stil als "cineastischen Post Rock mit einem Hauch Pop-Kultur". Auch die Begriffe "Manga-Jazz" und "Geek-Rock" finden Verwendung. Tatsächlich ist es im 21. Jahrhundert ziemlich schwierig für eine Band, in irgendeiner Weise eine neue und innovative Musik zu machen. Verglichen mit den grossen Sprüngen der technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im 20. Jahrhundert scheint die Popmusik heute oft gefangen in den Endlosschlaufen von wiederkehrenden Retro-Trends (vgl. Mark Fisher). Und so ist auch der Sound von Trois Imaginaires nicht neu, sondern knüpft an den Surf-Rock der 1960er, die Hippie-Musik der 1970er und den Synth-Wave der 1980er an. Verglichen mit frühen Post-Rock-Bands wie Bark Psychosis oder Tortoise klingt Trois Imaginaires geradezu reaktionär. Das erfrischende Moment der Band liegt eher in der spielerischen, ja verspielten Art, Rock-Musik zu spielen. Die Instrumente werden wie ein Game-Boy zu einem nostalgischen, aber dennoch unterhaltsamen Spielzeug, an dem Könnerschaft und Spass gleichermassen zum Zug kommen. Im besten Fall kann so zwischen Generationen vermittelt werden.

 

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