von Michael Lünstroth, 24.04.2019

Obereidorf sucht den Superstar

Obereidorf sucht den Superstar
Die Hauptdarsteller: Rahel Wohlgensinger, Hase Lodegrün, die Tochter des Königs und Simon Engeli. | © Michael Lünstroth

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 spielt „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ unter freiem Himmel auf einer aussergewöhnlichen Bühne. Gemacht für Kinder, aber auch geeignet für Erwachsene. 

Wenn man sagte, der Star dieser Produktion macht sich ziemlich breit auf der Bühne, dann wäre das nicht ganz korrekt. Denn: Der Star dieser neuen Produktion der Theaterwerkstatt Gleis 5 ist die Bühne: Vorne Fahrrad, hinten Fahrrad und dazwischen eine fast vier Meter lange Konstruktion, die nostalgische Bühne, zauberhafte Trickkiste und überraschendes Spezialeffekt-Kommando in einem ist. Beat Fuhrimann hat dieses gut 800 Kilogramm schwere, mit zahlreichen Stoffhasen verzierte, Fabelwesen eigens für die Theaterwerkstatt gebaut. „Wir wollten mit dieser Bühne den Geist des Wandertheaters wieder beleben“, erklärt Simon Engeli die Entstehung der ungewöhnlichen Bühne. Dass ihnen das gelungen ist, ist auf den ersten Blick erkennbar: Man kann sich jetzt schon sehr gut vorstellen, wie sehr viele Kinderaugen, sehr lange, sehr staunend dieses Wunderwerk betrachten werden. 

Aber selbst eine noch so spektakuläre Bühne braucht irgendwann ja doch etwas, das auf ihr passiert. Und so spielen Rahel Wohlgensinger und Simon Engeli unter der Regie von Giuseppe Spina ab dem 28. April das Puppentheater-Stück „Der Sängerkrieg der Heidehasen“.  Die Vorlage dazu stammt aus den 1950er Jahren von James Krüss. Die Geschichte ist schnell erzählt: Lamprecht, der Siebente, König der Hasen und Karnickel, lädt zum traditionellen Gesangswettstreit an seinen Hof nach Obereidorf. Dem Gewinner winkt ein besonders hübscher Gewinn: Die Tochter des Königs. Wer ihr das schönste Lied singt, der bekommt sie auch als Frau. Ja, so was das in den 50er Jahren: Die Frau als dekorativer Lohn für den heldenhaften Mann. Aber die Theaterwerkstatt wäre nicht die Theaterwerkstatt, wenn sie diese Rollenklischees nicht auch in ihrer Inszenierung aufgreifen würde: Der König ist hier ein kleiner Wicht, die Tochter eine resolute, stolze Hasendame. 

Bilderstrecke: Szenen von der Probenarbeit

Das Stück erzählt nun die Geschichte des Wettstreits und es kommt alles vor, was ein ordentliches Märchen so braucht: Liebe, Mut, Helden, Schurken und eine gute Portion Humor. „Die Inszenierung soll Kindern Spass machen, aber auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten. Man kann dieses Stück auf verschiedene Ebenen sehen“, sagt Simon Engeli. Es soll moderner werden, gegenwärtiger. Assoziationen zu den üblichen Casting-Singshows im TV sind erlaubt.

Dass der Stoff nun aufgeführt wird, liegt auch daran, dass Rahel Wohlgensinger und Simon Engeli immer mal wieder über das Hörspiel dazu gestolpert sind. „Wir wollten das schon länger machen, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür“, sagt die Puppenspielerin Wohlgensinger. Sie machen aus dem Stoff nun kein reines Puppentheater, sondern eine Mischform: Wohlgensinger führt die Puppen, übrigens teilweise bis zu 3 Figuren gleichzeitig, und Engeli agiert als Schauspieler auf der Bühne. Diese Form ist auch für den Regisseur Giuseppe Spina eine Herausforderung: „Die Abläufe mit einer Puppe müssen viel präziser sein. Entweder es klappt oder es klappt nicht, dazwischen gibt es bei Puppen eigentlich nichts“, sagt Spina.

Video: Trailer zum Stück

Was ihm besonders an der Arbeit gefällt ist, dass sie sehr nah am Publikum spielen werden: „Alles ist immer sichtbar, man kann nichts verstecken“, sagt der Regisseur. Im Grunde könnten die Zuschauer fast zwei Stücke sehen: „Die Handlung des ‚Sängerkriegs‘ einerseits, aber sie sehen auch zwei Spieler, die sich wahnsinnig anstrengen, um das alles möglich zu machen“, so Spina. Das Handwerk des Theatermachens werde so viel sichtbarer als auf anderen Bühnen. 

Gespielt wird das Stück übrigens im heimeligen Innenhof des Naturmuseum Thurgau in Frauenfeld. Eine Folge der Kooperation zwischen Theater und Museum. Im vergangenen Jahr haben sie „Biber, the Kid“ gemeinsam gemacht, nun der „Sängerkrieg der Heidehasen“. „Wir können hier Kleintheater unter freiem Himmel machen, das ist schon ziemlich toll“, freut sich Simon Engeli. Platz ist pro Vorstellung für 70 bis 80 Zuschauer. Wer Karten für die Premiere will, sollte sich beeilen.

Termine: Premiere war am Sonntag, 28. April um 15 Uhr. Weitere Aufführungen: 12. Mai, 16. Juni, 23. Juni, 18. August und 25. August. Ticket-Reservationen unter www.theaterwerkstatt.ch  

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