von Michael Lünstroth, 05.03.2019

Umbau des Seemuseums wird teurer

Umbau des Seemuseums wird teurer
Die 3 von der Baustelle (von links): Martin Juchli (Kassier Stiftung Seemuseum), Markus Thalmann (Stiftungsratspräsident) und Ursula Steinhauser (Museumsleiterin) im derzeit im Umbau befindlichen Seemuseum Kreuzlingen | © Michael Lünstroth

Seit Januar ist das Kreuzlinger Seemuseum eine grosse Baustelle. Bis zur geplanten Wiedereröffnung im Sommer gilt es vor allem, noch finanzielle Probleme zu lösen. 

Zeitlich liegt der Umbau des Kreuzlinger Seemuseums im Plan: Wenn alles weiterhin gut läuft, dann soll das Haus Ende Juni wieder eröffnet werden. Bei den Kosten ist der Plan indes überschritten. Stand jetzt wird der Umbau etwa 15 Prozent teurer als geplant. Statt gut 1 Million Franken belaufen sich die Kosten nun auf voraussichtlich 1,25 Million Franken. „Der Grund für die Verteuerung liegt wesentlich an Brandschutzmassnahmen“, erklärte Stiftungsratspräsident Markus Thalmann bei einer Medienkonferenz am Dienstagvormittag. In der Konsequenz bedeutet das: Die Stiftung Seemuseum muss mehr privates Geld für den Umbau einwerben als gedacht.

Ziel des Umbaus ist es vor allem, barrierefrei zu werden. Bislang ist das Seemuseum für Menschen im Rollstuhl kaum besuchbar. Mit dem Umbau wird nun auch ein Lift eingebaut, der die Obergeschosse des Hauses für alle zugänglich macht. Ein Teil des Hauses bleibt aber auch nach dem Umbau vorerst nicht barrierefrei: Aus Kostengründen habe man den ursprünglich geplanten Treppenlift für das oberste Stockwerk gestrichen. „Schweren Herzens mussten wir uns dazu entschliessen, sonst wäre alles noch teurer geworden“, erklärte Markus Thalmann an der Medienkonferenz. Man habe sich nun darauf konzentriert, die Sachen anzugehen, die absolut notwendig seien, den Rest könne man auch später noch nachholen, so Thalmann. Neben der Barrierefreiheit soll das Museum zudem den heutigen Erwartungen von Besuchern an ein Museum angepasst werden. So soll das neue Museumscafé eine zentrale Rolle im Haus spielen. 

Auch die umliegenden Gemeinden sollen sich beteiligen

Die Stadt Kreuzlingen trägt bereits 800.000 Franken der Umbaukosten, die verbleibenden 460.000 Franken müssen nun durch Spenden und Sponsoring zusammen getragen werden. Mehr als die Hälfte davon ist allerdings bereits durch eine private Darlehenszusage abgedeckt. Thalmann und Museumsleiterin Ursula Steinhauser zeigten sich zuversichtlich, dass sie auch das restliche Geld noch auftreiben können: „Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen“, sagte Markus Thalmann. Erreicht werden soll das vor allem über Gespräche mit Firmen, Gemeinden, Stiftungen und Privatleuten. In der Verantwortung sieht Thalmann auch die um Kreuzlingen liegenden Gemeinden. „Auch sie profitieren vom Seemuseum. Insofern hoffe ich, dass die eine oder andere Gemeinde noch weitere Beiträge sprechen wird“, so Thalmann, der das teilweise auch selbst beeinflussen kann: Der Stiftungsratspräsident des Seemuseums ist auch Gemeindepräsident von Tägerwilen.  Gespräche hierzu habe es aber noch nicht gegeben, dies solle aber in den nächsten Monaten folgen. 

Auf weitere Gelder hofft das Seemuseum aus dem Lotteriefonds. Hier werde ein Gesuch derzeit vorbereitet. Da aber jede Franken zähle, so Markus Thalmann, werde man auch Privatleute um Unterstützung bitten. So gibt es am Freitag, 29. März, ein so genanntes Captains-Dinner zu Gunsten des Umbauprojektes. Die Schifffahrt auf dem abendlichen See mit 3-Gang-Menü und Unterstützungsbeitrag für das Museum kostet pro Person 195 Franken. Damit erwirbt man dann im Gegenzug einen Stuhl im neuen Gewölbekeller des Museums. Anmeldungen hierfür sind direkt bei dem Museum möglich. 

Bilderstrecke: So sieht es derzeit (5. März 2019) auf der Baustelle aus


Bereits im Mai soll eine neue Ausstellung starten

Auch wer nicht Schiff fahren möchte, kann das Seemuseum unterstützen: Es gibt ein differenziertes Sponsoring-Modell, in dem jeder spenden kann so viel er mag. Wie üblich gilt: Wer mehr zahlt, erhält mehr Gegenleistungen. Ansprechpartner für alle Spender und Sponsoren sind Stiftungsrat oder Museumsleitung. 

Jenseits der finanziellen Probleme freut sich Museumschefin Ursula Steinhauser über den Fortschritt der Bauarbeiten: „Es ist schön zu sehen, wie es jeden Tag voran geht. Ich freue mich sehr darauf, das Seemuseum im Sommer in neuem Gewand wieder zu eröffnen“, sagte Steinhauser. Bis dahin wird das Gelände um das Hauptgebäude Stück für Stück an die Öffentlichkeit zurück gegeben. Am 1. Mai soll der neue Gewölbekeller in Betrieb gehen, am 4. Mai wird der Ausstellungsbetrieb im kleinen Werkstattgebäude neben dem Seemuseum wieder aufgenommen. Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Seelinie wird es dann um den Warentransport am Bodensee gehen.

 

Das Seemuseum Kreuzlingen

Was gezeigt wird: Das Seemuseum zeigt Geschichte und Gegenwart von Schifffahrt und Fischerei auf dem Bodensee. Das ehemalige Kornhaus der Augustiner von 1680 beherbergt das Museum seit 1993. Seit der Sanierung in den 1990er Jahren steht das Gebäude unter Bundesdenkmalschutz. Das Haus hat rund 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung

 

Träger des Seemuseums ist die Stiftung Seemuseum. Unterstützt wird das Museum in Form von Leistungsaufträgen von der Stadt Kreuzlingen, im Jahr 2017 zum ersten Mal mit dem erhöhten Beitrag von 125.000 Franken, und von der Schulgemeinde Kreuzlingen mit 3.000 Franken. Das Seemuseum unter professioneller Leitung hat 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Einnahmen generiert das Museum auch durch die Vermietung von Räumen.

 

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