von Michael Lünstroth, 21.01.2019

Von Poetry-Punks und bösen Frauen

Von Poetry-Punks und bösen Frauen
Lustige Frauen (von links): Christine Prayon, Lara Stoll, Hazel Brugger und Lisa Eckhart. Sie stehen alle auf der Bühne des Kabarett-Festival KiK in Kreuzlingen (2019). | © zVg

Nach einem Jahr Pause kehrt das Festival „Kabarett in Kreuzlingen“ zurück. Die Frauen stehen dieses Mal im Mittelpunkt. Es gibt aber auch eine Männerquote.

Wenn in einem Festivalprogramm acht von zehn Künstlerinnen und Künstlern den wichtigsten Preis der Szene mal gewonnen haben, dann kann man wohl von einem im besten Sinne ausgezeichneten Programm sprechen. Genauso ist das bei der diesjährigen Auflage des Festivals „Kabarett in Kreuzlingen“. Lisa Eckhart, Christine Prayon, Uta Köbernick, Hazel Brugger, Simone Solga, Ohne Rolf und Andreas Rebers haben den Deutschen Kleinkunstpreis in vergangenen Jahren erhalten, Lara Stoll wird den Förderpreis dieser wohl renommiertesten Auszeichnung in der Kleinkunstszene in diesem Jahr erhalten. Und alle diese Künstlerinnen und Künstler werden in diesem Jahr auf der KiK-Bühne auftreten. 

Nach einem Jahr Pause kehrt das KiK zurück mit einem Programm, dass die Frauen in den Mittelpunkt stellt: An neun von insgesamt elf Veranstaltungen stehen Frauen auf der Bühne. Als Quotenmänner sind das Duo Ohne Rolf und Andreas Rebers dabei. Bei der Männerquote habe man sich an der Frauenquote im Nationalrat orientiert, „der liegt bei etwa 35 Prozent und wir haben den Spiess jetzt einfach mal umgedreht“, sagt Micky Altdorf, Programmchef des Festivals. 

Wenn der charmante Poetry-Punk aus der Schweiz tobt und schäumt

Tatsächlich ist das Programm in diesem Jahr bemerkenswert. Los geht es am Freitag, 8. Februar, mit einem „Thurgauer Abend“: Lara Stoll und Martina Hügi, beides Absolventinnen der Pädagogischen Mauritätsschule (PMS) Kreuzlingen, bestreiten ihn passenderweise in der Campus-Aula der PMS. Interessanter Fakt am Rande: Festivalchef Micky Altdorf, der im normalen Leben Lehrer an der PMS ist, hat Martina Hügi unterrichtet. Seine ehemalige Schülerin jetzt auf der Bühne zu sehen, findet er „grossartig“. Zu Lara Stoll muss man eigentlich nicht mehr viel sagen: Wenn die vielfach ausgezeichnete Slam Poetin (unter anderem Thurgauer Kulturpreis 2011) nicht gerade auf irgendeiner Bühne steht, dreht sie irritierende Filme oder denkt sich neue Soloprogramme aus. Im März erhält sie den Förderpreis des Deutschen Kleinkunstpreises. Die Jury lobte: «Damit zeichnet die Jury eine Slamerin aus, die der Welt mit Sarkasmus begegnet und trotzdem hochempfindlich ist. Der charmante Poetry-Punk aus der Schweiz tobt, schäumt, spricht Kauderwelsch und formuliert messerscharf geschliffene Sätze. Schonungslos sich selbst gegenüber findet Lara Stoll das Politische im Privaten.» 

Lisa Eckhart steht für Sprachwitz und Boshaftigkeit

Auch bei Lisa Eckhart (Auftritt am 14. Februar) geht es ins Private. In ihrem Programm „Die Vorteile des Lasters“ stellt sie sich die Fragen, wie man ausbrechen kann aus dem Mittelmass beziehungsweise „wie wird man zum Ketzer in einer säkularisierten Welt?“ Souveräne Bühnenpräsenz, präziser Sprachwitz, schlitzohrige Boshaftigkeit, böse Reime und pointierte Provokationen seien die Markenzeichen von Lisa Eckhart, heisst es in der Ankündigung ihres Programms. Nur zwei Tage später steht am 16. Februar mit Christine Prayon eine Kabarettistin auf der Bühne, die man auch aus dem deutschen Fernsehen kennt: Sie ist die Birte Schneider aus der „heute-show“ des ZDF. Ihr Bühnenprogramm „Die Diplom-Animatöse“ hat damit nichts zu tun, darin will sie ihr Publikum lieber irritieren: „Hauptsache absurd und ohne Chansons“ lautet ihr Motto für diesen Abend.

Chansons und gemeine Lieder gibt es dafür reichlich bei den Auftritten von Uta Köbernick (23. Februar), Duo Luna-tic (8.&9. März) und Sarah Hakenberg (23. März). Politisches Kabarett hat auch seinen Platz im KiK-Programm: Simone Solga (1. Mai) gastiert mit ihrem Programm „Das gibt Ärger“: „Politisch korrekt war gestern“, heisst es im Ankündigungstext ihrer Show. 

Der grösste Star? Na klar, die Hazel Brugger

Und klar, dann ist da natürlich noch Hazel Brugger (27. März). Was wäre ein Frauen-Kabarettfestival ohne die Frau, die in den vergangenen Jahren wahrscheinlich die steilste Karriere aller Schweizer Kabarettistinnen und Kabarettisten gemacht hat? Eben. Brugger ist längst Dauergast im Fernsehen und bespielt die grossen Hallen. Nach Kreuzlingen kommt sie mit ihrem Programm „Tropical“: „Gewohnt trocken und unaufdringlich baut Hazel in ‚Tropical‘ ihr Universum auf und öffnet dem Publikum die Tür in ihr Gehirn“, heisst es im Pressetext zum Programm.

Ach und, um der Quote gerecht zu werden: Drei Männer gibt es auch im Programm: Das Duo Ohne Rolf (9. Februar) mit seinen gedruckten Plakaten und der zornige Andreas Rebers (22. Februar). 

Das Programm im Überblick

Freitag, 8. Februar, 20 Uhr, Campus-Aula: Thurgauer Abend mit Lara Stoll und Martina Hügi

Samstag, 9. Februar, 20 Uhr, Campus-Aula: Ohne Rolf

Donnerstag, 14. Februar, 20 Uhr, Theater an der Grenze: Lisa Eckhart

Samstag, 16. Februar, 20 Uhr, Theater an der Grenze: Christine Prayon

Freitag, 22. Februar, 20 Uhr, Theater an der Grenze: Andreas Rebers

Samstag, 23. Februar, 20 Uhr, Theater an der Grenze: Uta Köbernick

Fr/Sa, 8.& 9. März, 20 Uhr, Theater an der Grenze: Duo Luna-tic

Samstag, 23. März, 20 Uhr, Theater an der Grenze: Sarah Hakenberg

Mittwoch, 27. März, 20 Uhr, Dreispitz: Hazel Bruder

Mittwoch, 1. Mai, 20 Uhr, Dreispitz: Simone Solga

 

Absage: Der für den 17. Mai geplante Auftritt von Anna Mateur wird verschoben. Die Künstlerin wird voraussichtlich 2020 in Kreuzlingen gastieren.

 

Tickets: Alle Infos zum Ticketverkauf gibt es hier: https://kik-kreuzlingen.ch/wpnew/ticketsinfo/

 

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