von Michael Lünstroth, 25.11.2019

127 Millionen für…

127 Millionen für…
Was würden Sie mit 127 Millionen Franken tun? Unsere Leser haben geantwortet. Wir dokumentieren alle Ideen in der neuen Ausgabe unserer Kolumne «Die Dinge der Woche». | © pixabay

Vor zwei Wochen haben wir unsere Leser gefragt, was sie mit den 127 Millionen Franken machen würden, auf denen der Kanton seit dem Börsengang der Thurgauer Kantonalbank sitzt. Das sind ihre Antworten.

Viel Geld verleitet viele Menschen offenbar dazu, eher an sich als an andere zu denken. Das ist eine der Erkenntnisse, die wir aus unserer kleinen Umfrage zu den seit fünf Jahren beim Kanton ungenutzt rumliegenden 127 Millionen Euro (aus dem Börsengang der Thurgauer Kantonalbank) ziehen. Denn: Die meist genannte Antwort lautete so oder ähnlich: „Also, ich würde es nehmen.“ War sicher in den meisten Fällen lustig gemeint, sagt in seiner Gesamtheit aber doch auch ein bisschen was über den Zustand unserer Gesellschaft aus.

Aber es gab auch kluge und durchaus ernst gemeinte Vorschläge. Von Christian Rast aus Frauenfeld zum Beispiel. Er schrieb: „Ich fände es toll, wenn junge Talente in allen Bereichen, auch Informatik, Sprache, Gestalten, Theater, Mathematik, Technik, ……. gefördert würden. Die Volksschule mit ihrem integrativen Ansatz ist hier überfordert. Zudem hat die Schule einen defizitorientierten Ansatz, so kommt die Talentförderung zu kurz, vor allem in Bereichen, welche in der Schule nicht (mehr) oder zu wenig vorkommen.“ 

„Ich bin dafür, dass das Volk befragt wird und nicht irgendwelche Kreise das Geld unter sich verteilen.“

Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat

Rast liefert auch gleich ein paar konkrete Vorschläge: „Sportförderung unabhängig von Vereinen und Sportarten, nach der Idee des „Talent-Eye“, das heisst, junge Sporttalente in der Mittelstufe werden speziell gefördert, aber in allen Sportarten, sie lernen diese kennen und entscheiden sich dann im Sek.alter, welchen Weg sie gehen wollen, Wettbewerbe in verschiedenen Bereichen, auf die Bedürfnisse der Jungen zugeschnitten oder auch die Entwicklung von Plattformen auf social media, auf denen die jungen Leute ihre Ideen und Talente zeigen können.“ Grundsätzlich, so Rast, ginge es „um Projekte, Möglichkeiten, bei denen die Jungen von heute ihre kreative und innovative Seite ausleben können, in Themen, die für sie Sinn machen.“ 

Remy Eck aus Steckborn weist auf ein anderes Projekt hin: „Hier am Untersee gibt es einen Verein Pro Dampfer. Wir planen einen Dampfer auf den See zu bringen, der mit nachwachsendem Brennstoff betrieben werden soll, Pellets. Der Verein klärt zur Zeit die konstruktiven Details ab. Von den rund 22 Mio. die der Dampfer kosten soll, sind erst 2 Mio. Aktienkapital vorhanden. Das wäre doch ein super Projekt, das in unsere Zeit des Klimawandels sehr gut passen würde!“

„Ein Thurgauer bedingungsloses Kultureinkommen auf Zeit. Gerichtet an Kulturschaffende - so etwas wie ein Forschungsstipendium für eine bestimmte Zeit.“

Alex Meszmer, Künstler und Kurator (Bild: Sascha Erni)

Walter Emmisberger aus Fehraltorf schlägt nachdenklichere Töne an: „Mit den 127 Millionen Franken kann der Kanton Thurgau einen Teil an die Entschädigung bezahlen, für die Opfer von den Medikamententests von Kuhn von der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, die damals dem Kanton Thurgau unterstellt war.“

Auch über Twitter und Facebook kamen einige Anregungen. Andreas Schweizer, Leiter der Musikschule Weinfelden, meinte: „Schicke mir 10 Prozent davon. In einem Jahr schicke ich einen detaillierten Bericht, was ich damit gemacht habe. Deal?“ Ueli Fisch, GLP-Kantonsrat, erklärte: „Gegen das bereits 7 Jahre dauernde Denkverbot habe ich mich von Anfang an gewehrt. Nun bin ich dafür, dass das Volk befragt wird und nicht irgendwelche Kreise das Geld unter sich verteilen. Gute Idee von Euch, Eure Leser zu befragen. Die Regierung sollte das aber offiziell tun.“

„Schicke mir 10 Prozent davon. In einem Jahr schicke ich einen detaillierten Bericht, was ich damit gemacht habe. Deal?“

Andreas Schweizer, Leiter Musikschule Weinfelden (Bild: Sascha Erni)

Hübsch ist auch die Idee unserer Korrespondentin Bettina Schnerr: «Weinfelden stellt am Ende des neuen Peter-Stamm-Weg dauerhaft ein Peter-Stamm-Telefon auf. Wer in die Kabine geht, den Hörer abhebt und etwas wählt, hört per Zufallsgenerator Textpassagen aus seinen Büchern.» Marcel Baur, Medienpädagoge aus St.Gallen, schrieb auf Twitter: „Eine multifunktionale Seebühne. Von der Oper bis zur Rollschuhdisco - alles ist möglich. Den Standort überlasse ich euch.“ Spannend klingt auch eine Idee von Alex Meszmer: „Ein Thurgauer bedingungsloses Kultureinkommen auf Zeit. Gerichtet an Kulturschaffende - so etwas wie ein Forschungsstipendium für eine bestimmte Zeit. Die skandinavischen Länder haben so etwas. Als Ein-, Drei- und Fünf-Jahr-Stipendium.“

Carm Kirstein aus Kreuzlingen hat auch schon Pläne: „Ich würde das Geld unserem Förderverein für Tanz und Kultur in Kreuzlingen spenden. Der Verein unterstützt Kinder und Jugendliche in ihrer tänzerischen Ausbildung und übernimmt die Kosten der Kinder und Jugendlichen, die sich den Ballettunterricht in der Ballettschule nicht leisten können. Genau so übernimmt er auch die kompletten Ballettkleider und teuren Spitzenschuhe dieser Kinder und Jugendlichen. Ausserdem finanziert er jedes Jahr die Schülerinnen, die sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren und die Jahresaufführungen, sowie alle anderen Aufführungen. Dieser Verein hat es verdient, Unterstützung zu bekommen, da er sonst keine finanzielle Unterstützung erhält und die aktiven Mitglieder alles ehrenamtlich machen. Mit dem Geld könnte der Verein sich die nächsten Jahre finanzieren und endlich mehr Kinder, die finanzielle Unterstützung oder soziale Integration brauchen finanzieren.“

Wir finden, da sind ein paar nachdenkenswerte Ideen dabei. Mögen sie die Regierung inspirieren. 

 

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