Aus-dem-Bauch-Rock

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Schweizer Newcomer des Jahres: Die Band Batbait sind (von links): Simona Bischof, Sandra Keller, Alanah Rüttimann und Gianna Brühwiler. | © Laura Flück

Für ihren schnörkellosen Punkrock wurde die Zürcher Frauen-Band Batbait jetzt als eine der besten Schweizer Newcomer-Bands ausgezeichnet. Gitarristin und Sängerin Gianna Brühwiler ist im Thurgau aufgewachsen. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Man muss dem Song „In fiction“ der noch jungen Band Batbait nicht allzu lange zuhören, um zu erkennen, dass diese vier Musikerinnen etwas Besonderes, sehr Eigenes haben. Kerniger, nach vorne drängender Punkrock, eingängige Melodien, etwas schrabbelige Gitarren, nicht alles perfekt, aber doch alles ziemlich echt. Das auch noch gepaart mit einer mehr fröhlichen als distanzierenden Coolness. Wer auch nur ein kleines Plätzchen für erdigen Punkrock in seinem Herzen hat, der kann gar nicht anders, als diese Band zu mögen.

Das sah offenbar auch die Jury des diesjährigen Demotape Clinic Award von Migrosprozent und der Fondation Suisa so und vergab ihren Hauptpreis, immerhin mit 5000 Franken dotiert, dieses Jahr an die Zürcher Band: «Das Demo of the Year geht an eine Gruppe, die uns nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihrer Energie und Ausstrahlung überzeugt hat und in der wir viel Potenzial für die Zukunft sehen», begründete die m4music-Jury ihre Wahl. Mit dem Preis werden seit 1999 die besten Songs der Schweizer Newcomer ausgezeichnet.

Video: «In fiction»: So klingt der preisgekrönte Song

„Wir hatten einfach Bock darauf, gemeinsam Musik zu machen.“

Gianna Brühwiler, Sängerin und Gitarristin bei Batbait

Gianna Brühwiler, Sängerin und Gitarristin der Band, erinnert sich gerne an diesen Abend: „Diese Wertschätzung zu erleben war für uns megaschön“, sagt die 27-Jährige, die im Thurgau aufgewachsen ist. Erst recht, da es Batbait noch gar nicht so lange gibt. Im Kunstvermittlungs-Studium an der ZHdK haben sich Gianna Brühwiler, Simona Bischof (Bass) und Sandra Keller (Gitarrre, Gesang) kennengelernt. Später kam noch Alanah Rüttimann (Schlagzeug) dazu.

„Wir haben immer mal wieder darüber gesprochen, dass wir eine Band gründen müssten. Irgendwann haben wir dann angefangen gemeinsam zu jammen. Erste Songs sind aber erst 2019 entstanden“, erklärt die Gitarristin. Die Musikrichtung war einigermassen klar: Indie, Punk, Garage Rock. So was. Sie wollten die Musik spielen, die sie auch selbst am liebsten hören. Das Ziel dabei: „Wir hatten einfach Bock darauf, gemeinsam Musik zu machen.“

Mit Punk zum Preis: Die Zürcher Band Batbait wurde als einer der besten Schweizer Newcomer-Bands ausgezeichnet. Batbait sind (von links): Alanah Rüttimann, Simona Bischof, Sandra Keller und Gianna Brühwiler. Bild: Laura Flück

Eine reine Frauen-Band: Das gibt es auch 2021 nicht allzu oft

Dabei ist Gianna Brühwiler ganz klassisch zur Musik gekommen: Aufgewachsen in einer musikalischen Familie (ihr Vater Christian Brühwiler ist Posaunist und Organisator der Romanshorner Konzertreihe „Klangreich“) lernte sie zuerst das Geigenspiel.

Irgendwann langweilte sie aber der Musikunterricht. Sie wollte Musik machen, aber nicht so. Nachdem sie von ihrer Mutter deren alte Gitarre bekam, brachte sie sich das Instrument kurzerhand selbst bei. „Musik war in unserer Familie immer ganz natürlicher Bestandteil des Lebens. Da lag es nahe, dass ich das auch so fortführe“, erinnert sich Gianna Brühwiler.

Dass sie mit Batbait dabei in einer reinen Frauenband gelandet ist, habe sich mehr so ergeben als dass es ein politisches Statement gewesen wäre. „Natürlich sind uns feministische Themen wichtig und die Frage, wie es Frauen in der Gesellschaft geht. Unsere Songs erzählen aus der Sicht von Frauen. Aber das war nicht der primäre Grund für die Bandgründung. Wir waren am Anfang drei Freundinnen, die einfach eine Band gründen wollten“, erklärt Gianna Brühwiler.

Video: So klingen Batbait live

 

Feminismus ist wichtig, aber nicht der Gründungsanlass

Trotzdem wissen sie natürlich um die Aussenwirkung, die sie haben: Vier junge Frauen, die gemeinsam Punkrock machen, das gibt es eben selbst im Jahr 2021 noch nicht allzu oft. Vor drei Jahren gab es in Basel eine Studie, die ergab, dass lediglich 10 Prozent der Musikschaffenden in Basler Bands Frauen sind. Klar, dass eine reine Frauenband da auch als Statement gelesen wird.

„Es ist immer eine Frage der Sichtbarkeit, zu oft sind Frauen, wenn überhaupt in Bands, dann dort eher am Rand. Wenn wir mit unserem Modell da ein anderes Rollenbild prägen können, wäre das megacool“, sagt Brühwiler. Zu diesem neuen Rollenbild gehört für sie auch, dass es bei Batbait keine klassische Hierarchie gibt. Die Band verstehe sich eher als Kollektiv, das gemeinsam entscheide, so die Gitarristin.

Das schliesst auch ein gemeinsames Ziel ein: Ein bisschen Rütteln am Selbstverständnis des Genres Rock. Musikalisch, aber auch ästhetisch: „Die Rock-Welt ist mit ihren dunklen Klamotten und Totenkopf-Symbolen ziemlich männlich geprägt. Damit konnte ich mich nie identifizieren, obwohl ich die Musik mochte. Vielleicht können wir dazu beitragen, dass sich das ein bisschen ändert“, sagt Gianna Brühwiler. Entsprechend bunt, lustig und schrill sind ihre Videos.

Kommt der Durchbruch jetzt mit einem Jahr Verspätung?

Der Preis des m4music-Festivals kam für Batbait genau zur rechten Zeit. Eigentlich wollten sie schon im vergangenen Sommer durchstarten. „Wir hatten einige Gigs geplant und dachten - jetzt geht es richtig los. Aber dann kam Corona und alles wurde abgesagt“, blickt Brühwiler zurück. Mit der Aufmerksamkeit durch den Preis können sie nun einen neuen Anlauf wagen. Am 30. April spielen sie in der Roten Fabrik Zürich, im August sind sie beim Sur-le-Lac-Festival gebucht, im September treten sie im Palace St. Gallen auf. Nicht die schlechtesten Orte für eine Newcomer-Band.

Zwischen den Gigs wollen sie an neuen Songs schreiben und am Debütalbum feilen. „Für uns ist das jetzt eine grosse Chance. Und die wollen wir nutzen!“, sagt Gianna Brühwiler.

Mehr Songs von Baitbait

 

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